Rückblick 1.Mai 2014: 

Unsere Blauwasserroute beginnt kalt… Skiunterwäsche, Fellganzkörperanzug, Segelanzug, 2 Segelljacken übereinander, Mütze, Stiefel… das sind nur die Klamotten von mir  – mehr ging nicht, wir segeln von Barhöft nach Rostock – alles ist gut!; der Wind kommt aus Ost – also richtig; nur das zählt Die Liste der technischen Dinge an Bord die nicht gehen ist länger, als die, die gehen… Der Kompass kreiselt,  das Gas funktioniert nicht (nach Gastest vom Fachmann), das AIS sendet nicht, Radio geht nur sporadisch, auch die Selbststeueranlage funktioniert nicht – es wird nicht langweilig bis zum Start in zwei Monaten.

Im Grunde genommen startet unser großes Abenteuer am 1. Mai 2014… unser Start aus unserem Heimathaften in Greifswald wirkt fast wie eine Flucht. Ohne großen Abschied – rauf aufs Boot und los. Andere winken und manche schießen ein Foto – besser ist die Feier danach – nicht jetzt. Für uns ist alles unwirklich… und dieser Start ist wie unser bisherige Leben – zeitoptimiert.

Wir sind noch mittendrin in unserem „Altleben“ – mit Firma und Job im Krankenhaus. Wir haben A gesagt  – jetzt streben wir auch B an.. aber so richtig dabei sind wir noch nicht.

20. Oktober 2014 – rund 100 Tage unterwegs

Gerade segeln wir zwischen Lanzarote auf der rechten Seite und Fuerteventura auf der linken Seite hindurch…zugegeben bei echten „Kotzwellen“; was für uns erstmals seit drei Monaten auch unangenehm ist.

Unsere „kleine Flucht auf Zeit“ aus unserem alten Leben haben wir nicht bereut. Wir wissen nicht, was wir aus den letzten drei Monaten zuerst berichten sollen – was war nun echt am Besten? So richtig wissen wir das nicht. Dazu zählt viel. Zum Beispiel…

Die Menschen, die man so trifft… Diese charakteristischen, interessanten Segler und kleine und großen Aussteiger aus ihrem Alltag. Was wir wohl erwartet haben? Mit dem Satz „…was wir jetzt machen, können wir in 10-20 Jahren nicht mehr machen…“ kann ich nicht mehr losgehen. Wir haben so fitte 60ff. getroffen – echt klasse. Stolz wäre ich, wenn ich mit 65 solch kunterbunten Rock kaufen kann und dann auch anziehe (Gruss an Gisela von der ROTEN GRÜTZE), wenn wir mit 60 die Berge hochspringen – wie die SPRAY CREW, mit 60ff flott die Welt um Südengland erkunden wie die HEIMKEHR-Crew oder die Welt umsegele wie die Crew von der EXOCET STRIKE.

Aber auch die jungen Familien, die sich tapfer mit ihren kleinen Kindern durch die Homescool quälen und die Nerven haben, Tage – und Nächte mit ihren süßen Quälgeistern zu verbringen. Ist ja alles nett bei Sonne und drei Windstärken… aber das ändert sich ja manchmal schnell – z.B. die SY ANNE – hier aber nur stellvertretend für viele junge Familien, die wir getroffen haben.

Dann die „längeren Aussteiger“… „wir bleiben gleich ‚nen Monat hier… sind seit xx Jahren unterwegs… fliege für 3 Monate nach Hause – Geld verdienen – komme dann zurück… usw.“ Zugegeben, dass hören wir uns an und wollen es nicht.

Die Menschen hinterm Horizont… nun klingt unsere Strecke für viele Leser aus Deutschland sicher noch nicht so doll… alles mit dem Flieger erreichbar. Aber die Sicht aus dem Boot ist sicherlich auch einen andere… wir hätten nicht gedacht, dass es so gut ist… Wir sind kosgesegelt und wurden eigentlich freundlicher und mit wirklich offenen Armen empfangen. Gerne haben wir dieses „very english“ in Südengland erlebt und diese Offenheit in Galicien. Gerade hier waren wenig Touristen – es war sehr ehrlich.

Unsere Zeit auf dem Wasser… es verschieben sich die Maßstäbe… 20-30sm ist „gleich da“ und fast „ich hol schon mal die Fender raus“. Durch diese Zeit auf dem Wasser und man praktisch nichts „Praktisches“ machen kann und mehr mit dem „Überleben“ beschäftigt ist, können wir aber auch mal einen Gedanken zu Ende denken. Es klingt sicher echt blöd, wenn ich betone, dass ich es aus vollen Zügen genieße, einen SPIEGEL durchlesen zu können und wir beide über die Inhalte diskutieren. Und mich freue  – dass jede Woche wieder einer kommt (die sind wunderbar online runter zu laden). Auch die Nächte… sicher mit Mond besser, als ohne… sind einfach gut. Dieser endlos große leuchtende Sternenhimmel – echt „der Hammer“…. und viele Grüße gehen nach oben.

Wir LEBEN und ERLEBEN das hier in vollen Zügen; vergessen niemals das Besondere unseres Abenteuers und rücken Vieles in ein anderes – hoffentlich rechtes Licht. Allerdings wissen wir auch, dass wir nicht zu den „Langaussteigern“ gehören werden; wir sind froh, dass wir ein zu Hause haben. Ein dicker DANK an all jene, die mehr als nur „ein Auge“ drauf haben.

Fazit – wir sind neugierig auf das, was noch kommt. Wie bekommt uns wohl die lange Tour über den Atlantik… . Wir wollen noch weiter… und berichten gerne für all jene, die uns aus der Ferne begleiten. Bis dahin – Eure GarliXe