Tour: Camaret sur Mer / Frankreich – La Coruna / Galicien  – Spanien / Biskayaüberfahrt 386 sm

Fotos: Ebbe-Flut Cameret (schaut Euch die Treppe am Steg an!!) / Biskayaüberfahrt

15 August 2014 – Uhrzeit morgens 2:00… der Wind schläft mit Jens gerade ein; nur der Mond und tausend Sterne sind noch dabei… ach ja, und dann noch die Schiffe drumherum… aber alles gut. Vor uns liegen aktuell noch rund 65sm… also wie Lohme (Rügen) – Rönne (Bornholm).

Es ist unsere erste Atlantikerfahrung… es gibt Schöneres -aber auch Schlimmeres. Schwierig war eher, dass bei relativ viel Wind (ca. 25-30kn) und z.T gegenläufiger Strömung die Wellen nun gar nicht wussten, was sie machen sollen. Die haben es aber auch zusätzlich schwer; treffen sie aus z.T. mehreren 1000m Wassertiefe auf 100m und weniger. Es gab keine regelmäßigen Wellen… es waren regelrechte „K….wellen“.

Gestartet sind wir am 13.8. um 8:00 mit der Strömung, aber bei beständigem Westwind. Was dann alles folgte würde meine liebe Schwiegermama kommentieren mit… „tja, wer am 13. losfährt“ (Gisela -ich hab’ Dich wirklich lieb!!).

Nachdem wir die 2. Untiefentonne der „Chaussee de Sein” westlich nach 25sm relativ schwer erkämpft haben, wollten wir uns belohnen mit Keksen aus unserer „Tapferkeitskeksdose“ und noch den restlichen Kaffee trinken. Flugs in dem Moment verabschiedet sich unser Sturmsegel vom Vorschiff, welches dort ordentlich angeleint an der Reling hing. Jens wie Speedy (ordentlich angeleint) nach vorne… zu retten war da nichts mehr; nur Jens war bis innen rein nass. Ärgerlich, aber zu ändern war das nicht mehr. Also 2. Versuch mit der Keksdose… da wollen uns mehrere Wellen gleichzeitig begrüßen… Jens zum 2. Mal klatsch nass. Bei dieser Aktion platzt auch zum zweiten Mal seine Schwimmweste. Diese raushängende Strippe bleibt immer irgendwo hängen.  Dann wurde der Wind immer stärker, so dass wir nur noch mit Fock gesegelt sind. Stunden später… Großsegel wieder hoch… oh, oh.. das Großfall verabschiedet sich und will im Mast oben bleiben. Das ist nun echt blöd, bei diesen hohen Wellen gehe ich nicht in den Mast. Gott sei dank hat sich das Fall im Genackerfall verheddert, so dass wir es damit runterholen konnten.

Ansonsten ist man ja den ganzen Tag damit beschäftigt, nicht zu stürzen, genug zu schlafen, auf andere Schiffe aufzupassen, Also übersetzt, man muss lernen, mit dieser Schaukelei zu leben. Was sagt der Magen dazu…bei mir kann ich sagen -dank des vorsorglich geklebten Scopoderm – Pflasters ging es mir richtig gut!!! Da hat Jens mehr gemerkt – der Arme, kennt das ja sonst nicht.

Also, ich habe einen Urglauben daran, dass das richtige Atlantiksegeln nicht so ist, wie diese Biskayaüberfahrt. Vor allem störend sind die ungleichmäßigen und hohen Wellen. Das verbunden damit, dass wir mit rd. 50° 60° gegen den Wind fahren mussten war’s ein wenig wir im Karussell umher zu klettern. Auch der Vergleich mit einem bockenden Pferd wäre passend…

Angenehm ist es, jetzt hier in der dunklen Nacht in der Plicht zu sitzen. Ganz dunkel ist es nicht, der Mond passt ja mit auf. Um uns herum sind 5 Fischer… da bin ich echt froh, dass ich nicht diesen Beruf erlernt habe!!! Auf Dauer ist das eine „Unzeit“.

Unser Ziel ist La Coruna in Galicien/ Spanien. Ursprünglich wollten wir gleich etwas weiter, das lassen wir jetzt. Der Wind dreht nicht ganz so, wie wir erhofft hatten. Aber es könnte uns ja schlechter treffen; wir erzählen Euch später etwas über dieses historische Stadt!! Ausserdem müssen wir diese viele nasse Wäsche waschen… Alltag eben.

So Ihr Lieben -danke, dass Ihr mich ein wenig bei meiner Nachtwache begleitet habt.. ein wenig unheimlich ist es ja schon hier zu hocken… ein wenig kribbelig unheimlich…

später: Manche von Euch haben sich gewundert, dass wir erstmal soweit westlich gesegelt sind (…“sah so aus, als wenn Ihr gleich nach Amerika segeln wollt“). Aber wir haben einen mächtigen Respekt vor diesen Strömungen; wenn diese noch auf enge Steinmassen treffen – segeln wir lieber etwas weiter, als den optimalen Weg zu nehmen. Der direkte Weg wäre der Durchgang durch den „Raz de Sein“ gewesen, aber die ganzen englischen Hafenhandbücher warnen davor, bei gegenläufigem Wind da durch zu segeln. Überhaupt diese Strömung… dazu stecken wir noch ein paar Fotos von Cameret sur Mer in die Fotobox. Dort lag der Unterschied zwischen Ebbe und Flut bei rund 6,50m!! Da kann das Wasser richtig Fahrt aufnehmen. Selbstverständlich achten wir darauf, möglichst mit der Strömung irgendwo zu starten. Wenn aber der Weg lang genug ist, ist das irgendwie auch egal… irgendwann ist die Strömung gegen uns (ist eben wie im richtigen Leben…). Der Abschied aus Cameret fiel uns nicht sehr schwer – Landschaft war da 1A, aber die ausgesprochen gut versteckte Freundlichkeit der dortigen Franzosen haben wir nur selten gefunden.

Also – bis später -Eure GarliXe!!