Tour: Leg 15: Kapstadt – St. Helena – San Salvador in Brasilien / Strecke gesamt: 3.600sm / Strecke aktuell: St. Helena – Salvador: 1.900sm, aktuell noch 715 sm

28.11.16: Dreizehn mal vier Meter! Mehr ist es nicht. Und wenn ich ehrlich sein so, ist sogar das gelogen. Vorne ist das Boot spitz, fallen also mehrere Meter weg. Hinten könnt ihr 5 Meter und vorne 4 Meter für Betten, Bad und Kisten abziehen. Bleiben also nicht mehr als 4×4 Meter. Wir leben also auf nicht mehr als 16 Quadratmeter für Küche (heißt hier Pantry – nicht Party), Wohnzimmer (heißt hier Salon), Schreibtisch (heißt hier Kartentisch) und Bad (heißt hier Nasszelle – echt blöder Name.

Wir sind am 8. Januar in Kapstadt gestartet; werden also über drei Wochen auf diesem kleinen Raum miteinander sein. Flucht ist schwer möglich. Bleibt die Frage, geht das? Diese Frage wurde uns vorher häufig gestellt.

Dann solche banalen, blöden und simplen Situationen. Vor dem Hintergrund, dass alle Worte auf dem Boot wegfliegen, da der Wind sie irgendwo, aber nicht zueinander trägt, ist die Kommunikation auf dem kleinen Boot manchmal schwierig. Einer ist vorne, der andere hinten. 13m sind dazwischen.  „Zieh die ….e Leine“ – WAAS?? ; Zieh die … de Leine!” Ich ziehe die … Leine. „Nein, ich sagte blaue Leine. Habe ich doch gezogen!! Nein, die andere blaue Leine!!” Alles laut, nicht nett!! Und ja, nach bald 30.000sm weiß man ja meistens, welche blaue Leine gemeint ist, aber eben nicht immer!  Lösung von diesem Problem. Wir haben eine blaue Leine umgetauft. Sie ist jetzt rot. Ja, sie hat auch einen hauchdünnen roten Faden in sich. Bei uns bleibt sie rot und wir streiten nicht mehr. Kommt Ihr also mal auf so ein „eingefleischtes“ Weltumseglerboot, und es ruft jemand „zieh die rote Leine“, und der andere zieht an der blauen Leine und doch ist noch alles gut, dann wundere dich nicht!

Nächstes: Jens ist oben im Mast, ich unten. Der ganze Hafen wird unterhalten. Der Mast ist ca. 22m hoch und windstill ist es nicht. WAAS? Lösung von diesem Problem: Bluetooth Kopfhörer. Diese Idee kam nicht von uns, sondern von Anna und Stefan von AYAMA. Mit uns haben noch vier weitere Paare der World ARC diese Kopfhörer und sie werden überall verwendet. Nur untereinander können wir nicht reden damit, dass wäre doch auch noch lustig. Jens mit Anna, Stefan mit mir und wir denken, dass jeder mit seinem eigenen Partner spricht. Einfach schön!

Da wir morgens nicht jeder ins Auto steigen und unserer Wege fahren, ist also auch Anschweigen dumm. Es gibt ewige Beispiele, auf jedem Boot. Irgendwie müssen wir einen Kompromiss finden. „Schatz, können wir den Genacker runternehmen, es ist zu viel Wind!”. „Es ist nicht viel Wind, wir nehmen ihn bei 20kn runter“. „Ausgemacht war bei 16“ – “Nein bei 20…”. Jetzt nehmen wir ihn bei 18kn runter! Wollte ich ja vorher schon!

Fakt ist, es muss klappen miteinander und beide müssen dieses Leben auch wollen. Dass das Vorhaben „Schatz, lass uns miteinander um die Welt segeln“ nicht bei allen Paaren bis zum Ende gut ausgeht, können wir uns bestens vorstellen. Wenn es dann klappt, ist es (meistens) eine wunderbare Erfahrung miteinander.

Die Zeit, die man miteinander mehr hat, wird anders ausgefüllt. Wir z.B. haben unseren Diskussions-horizont stark erweitert. Von „Auftragslage, Mitarbeiterprobleme, Krankenhausfinanzierung und dem gefüllten Kühlschrank“. sind wir neugierig geworden auf unsere Umwelt. Schockiert sind wir von unserem mangelnden historischen, geschichtlichen und politischen Wissen über die Länder, die wir bereist haben und versuchen, dieses ständig aufzufüllen. Naja, wenn dann der Frei- Ruheraum fehlt.

Wir sind zu Zweit, einer hat immer Wache und der andere schläft. Dann gibt es diese ausgesprochen inspirierenden Nächte – nur Ihr müsst diesen Unsinn dann aushalten, in Form von diesem Blog. Also, macht

Euch einen schönen Tag MITEINANDER. Eure GarliXe