Tour: Bermudas – Azoren, Seemeilen gesamt ca. 1.805, noch 700sm

xx.5.2016 Wir kommen immer ins Stottern, sind uns uneinig und wissen keine richtige Antwort auf diese so häufig gestellte Frage.

Je nach Zählweise – z.B. Schottland hat’s ja fast in die Kategorie “eigenes Land” geschafft – werden wir seit unserem Start ca. 35 Länder besucht haben. Da muss doch das Superlativ zu finden sein.
War es das größte Kontrastprogramm – aus unserer Sicht – zu unserem gewohnten Leben – wie z.B. San Blas Inseln mit den Kuna Indianern , Panama mit den Embrera Indianern, Vanuatu? Diese Orte erlebten wir manchmal wie Kinder ihr erstes Weihnachten! “DAS gibt’s tatsächlich HEUTE noch?” Dabei ist der Hauptkontrast nicht unbedingt zwischen arm und reich zu finden, sondern es scheint ein anderes Zeitalter zu sein.

In der “Highlighttabelle” weit oben steht auf jeden Fall die Marquesas – Inselgruppe. Dieses Ankommen nach 3000sm, diese Freundlichkeit der Menschen, diese allumfassende Natur, diese alten Kulturstätten, die Menschen mit ihrer modernen Technik Mitten in dieser Natur, die Holzschnitzer oder auch das Osterfest in Nuku Hiva. Das hatte schon was richtig Gutes, was absolut Bleibendes.

Rein von der Natur stehen natürlich die Atolle weit vorne. Tuamotu – hier Fakarava. Es geht einfach nicht besser, nicht blauer, nicht klarer, nicht skurriler, nicht “Urlaubs – Katalog – mäßiger”. Unvergessen. Unvergessen aber auch das immer vorhandene ungute Gefühl, hinter den Riffen zu ankern. Der Blick auf den Pazifik, teilweise brodelnd und pfeifend in unseren Masten. Wir hängen mit unserem Leben am Anker und der 8mm Ankerkette. Wir persönlich hatten keine negativen Erfahrungen, der Anker hielt. Aber wenn .. . Genauso überrascht wurden wir von Suwarrow (Cookinseln), oder von Cocos – Keeling im Indischen Ozean. Was die Natur da hingebaut hat – voller Respekt!

Überhaupt die Inselgruppen im Pazifik. Hunderte – Tausende Inseln. Tonga, Fiji, Französich Polynesien und mehr; ewig kann man bleiben und ist wohl nie durch damit. Überall war es neu, wir waren überrascht, aber – es war auch fremd. Stellen wir uns die ehrliche Frage, ob wir dort leben wollen, dann glauben wir das eher nicht. Aber wohl gefühlt haben wir uns trotzdem dort. Konnten ja immer wieder zurück in unser gewohntes Zuhause.
Wir sind und werden nicht die Globetrotter, wir sind Europäer. Wurden wir auf dieser Reise um so mehr.
Südafrika hat uns überrascht. Sehr sehr positiv. Obwohl wir wohl nur die Schokoladenseite kennengelernt haben. Erschrocken waren wir über die Wasserarmut, über die Warteschlangen, dass das Auto mit dem Wasser kommt. Es ist so hautnah und völlig anders, als wenn man es nur in der Zeitung liest. Und wir spülen die Toilette mit Trinkwasser. Absurd.

Ach, nicht vergessen darf ich Spanien – Galicien. Oh man, war das dort gut! Diese Tapas, diese Stimmung; hat uns das gut gefallen!! War gar nicht weit weg, kann jeder hin.

Ich kann nicht alle Orte aufzählen. Und überhaupt, sind solche Art Reiseberichte so derartig subjektiv, dass sie von vornherein falsch sein müssen. Anderes Wetter, andere Situationen – alles kann komplett anders sein.

Fakt ist, wir haben keine Antwort auf diese Frage. Wir haben uns durch die Welt “geschwärmt”. Wir haben alles aufgesaugt, aber DAS Superlativ können wir nicht benennen.

Vielleicht war es auch das “WAS war am Schönsten?”
Dieses unsagbare Glück, mit unserer kleinen Truppe der WORLD ARC. Nur 15 Boote, die meisten Boote nur minimal mit Ehepaaren besetzt. Wir wurden eine eingeschworene Gemeinschaft, was ein großer Teil unseres Erleben ausgemacht hat.

Überhaupt diese coolen Typen die man so trifft. Was auch alles so rumschippert, alles Menschen, die den Mut hatten, “einfach” so los zu starten.

Die englische Sprache. Naja, für uns ein bleibendes Problem. Aber diese Vereinfachung der Anrede. Kein Gestelze, kein “jeh”, wenn man nicht so genau weiß, ob “du” oder “sie”. Es heißt “du” und bleibt der Vorname. Man ist das einfach. Das wird eine richtige Umstellung für uns werden.
Bilden wir uns ein, das das immer einleitende “How are you?” wenigstens ein bisschen ernst gemeint ist. Dann ist das doch freundlich, wenn man nicht rationaler Weise gleich mit der “Tür ins Haus fällt”

Zum WO und WAS gehört unsere Zeit auf dem Wasser. 40% waren wir hier – beim Chef sozusagen. Denn Neptun hat einfach immer Recht. Das hat schon was, diese Zeit auf dem Wasser. Wann bitte schön liest man denn mal ohne schlechtes Gewissen lange Artikel, hört einfach ein Hörbuch, schaut nur so sinnlos auf’s Wasser. Nicht zu vergessen sind die Nächte. Die haben eine Ehrlichkeit an sich, die besticht. Wenn man sich davor scheut, dann darf man nicht starten. Bis zum Ende werden wir ca. 190 Nächte auf dem Wasser gewesen sein. Die Meisten davon möchte ich nicht missen.

Es war – ist unsere Reise, dieses Abenteuer in die Welt rein zu schnuppern, dieser Stolz gestartet zu sein. Ja auch das. Es ist das Gesamtpaket – das ist unser Superlativ.

Kurz noch zum Hier und Jetzt. Wir sind im Zentrum eines Hochdruckgebietes, d.h. kein Wind mit den hohen Wellen des letzten Tiefs. Puh. Unser Dieseltank ist endlich. Heute haben wir gefühlte 10m, tatsächliche 2m Naht am Großsegel genäht. Freihändig in der bockenden Achterbahn. Man ihr Segelkumpels – ihr müsst noch 2000sm durchhalten. Es sind die Nähte, die dieses Schlagen der Segel und das UV nicht aushalten.
Uns gehts sehr gut. Wir könnten aber auch langsam ANKOMMEN. Ach ja, dieses ANKOMMEN ist auch solch Hochgefühl. Aber ich lass es jetzt, sorry für den langen Blog. Eure GarliXe