Darwin 27.8.15: Leute, wir sind „HALB RUM“! Dieser Fakt lässt uns nicht unbedingt jubeln; nur heimlich etwas stolz sein. Stolz darauf, dass wir und das Boot heil sind. Noch mehr, dass es uns richtig gut miteinander geht. Es ist tatsächlich ein großes Abenteuer; nicht allein nur das Erleben der vielen fremden Länder. Es schweißt wohl auch zusammen. Diese Enge auf dem Boot – bei manchmal recht widrigen Umständen – lässt wohl auch nur zwei Möglichkeiten zu. Entweder die sofortige Flucht oder das noch mehr gute Zusammen sein. Wir sind uns aber auch bewusst, dass jede Unaufmerksamkeit unser Abenteuer beenden kann. Deswegen – fliegen wir mal lieber nicht zu hoch. Seid Deutschland sind wir rund 18.500sm gesegelt; seit St. Lucia rd. 12.000.

Wir sind hier in Darwin vor drei Tagen angekommen… bei altgewohnter Hitze über 30°. Diese allerdings bei 90% Luftfeuchtigkeit. Also – alle Decken wieder weg und kurze Röcke raus…

Die „Enterung“ einer Marina in Darwin ist mit einigen Hürden verbunden. Zum Einen ging es durch die Dundas Strait, bzw. durch den Van Diemen Golf. Hier sollte man schon mal genau nach der anstehenden Strömung schauen. Von der Einfahrt bis Darwin sind es 90sm; also eine anständige Tagestour. Die Strömung kann mächtig gegen an kommen. Bei uns hat die Planung sehr gut geklappt und wir hatten die Strömung meistens mit uns; teilweise bis 3kn.

Einmal geschafft darf man nun noch lange nicht in einen Hafen einfahren. Warum?

Erstens… wir kommen aus internationalen Gewässer und sollen „feindliche“ schwarz gestreifte Muscheln (sehen aus wie Miesmuscheln) unterm Boot haben („Marine Pest“). Zur Bekämpfung derselben wird ein unglaublicher Aufwand betrieben. Alle – wirklich alle – Boote, die aus internationalen Gewässern kommen, müssen in eine ca. 10 stündige Quarantäne gehen. Dafür kommen Taucher, die das Boot inspizieren. Dann wird in alle Bootsauslässe eine Chemikalie (ich glaube Chlor) geschüttet, verschlossen und muss 10h wirken. Verstehen tue ich zwar nicht ganz, warum das erst im letzten Hafen von Australien gemacht wird, aber egal.

Erst danach dürfen wir zum zweiten Akt schreiten, welchen wir persönlich fast spannender finden. Die zu „enternde“ Marina liegt hinter Land. Richtig – wir können nur bei absolutem Hochwasser durch eine Schleuse in die Tipperary Marina fahren. Dazu laden wir ein Foto hoch, weil es eben doch immer wieder den Adrenalinspiegel steigen lässt. Jetzt liegen wir hier im Hafen und bereiten uns auf den Indischen Ozean vor. Die nächsten Ziele bis Weihnachten sind: Lombok (Indonesien), Christmas Island – Cocos Keeling – Mauritius – Reunion – Richards Bay  – Kapstadt(Südafrika). Bis dahin liegen rd. 6.700 sm vor uns.

Unser Boot ist fit (traut man sich kaum zu schreiben). Zunehmend froh sind wir, dass wir im Vergleich zu manch anderem Boot eher simple unterwegs sind. Ohne Klimaanlage, Gefriertruhe, Waschmaschine und und und. Wir haben keinen separaten Generator…drum, das alles kann hier auch nicht kaputt gehen!!! Teilweise müssen wir ganz schön mit Strom sparen; besonders, wenn wir nicht mit dem Wassergenerator welchen produzieren können und wir in keiner netten Marina am Strom liegen. Aber bis hierher ging es gut. Wir bilden uns ein, dass die längste „Durststrecke“ diesbezüglich hinter uns liegt.

Und dann – heute, endlich haben wir heute Krokodile gesehen. Ok, sie wurden etwas angefüttert, aber urig und nicht gerade kuschelig war es dennoch. Auch hiervon wandern ein paar Fotos mit in die Box.

Inzwischen haben sich fast alle ARC Boote hier zusammengefunden. Drei Boote kommen hinzu; welche Freude – auch zwei deutsche Boote sind jetzt dabei (Tulassi – fährt aber mit britischer Flagge und Circe). Also – die Zeit läuft. Wäre schön, wenn Ihr weiter bei uns bleibt. Eure GarliXe