Ihr Lieben, heute möchte ich mal etwas unter der Rubrik „Zwischendurch“ von unserem Leben in und mit der Cruiserfamilie erzählen. Das ist etwas, was wir gar nicht im Plan hatten. Sicherlich – man trifft den Einen oder Anderen – erzählt mal hier und da, aber mehr wird das nicht sein. Da haben wir uns getäuscht…

Ausgangslage:

Die Welt ist ja nicht so groß wie wir dachten… irgendwie haben wir Segler den gleichen Weg – ist ja klar. Alle irgendwie Richtung Westen bis wir abbiegen über die Biskaya -weiter nach Süden… später dann wieder Richtung Westen – und immer weiter… Es ist sozusagen wie eine große „Pilgerreiseseglerfamilie“.

Bildung der Cruiserfamilie: 

- der Anfang:

In Südengland waren wir noch sehr mit uns selbst beschäftigt; ein Schwung Segler war gerade „durch“ – da trafen wir Marlene und Bert von der SY HEIMKEHR; mehr gesehen als gekannt hatten wir uns schon vorher – und wurden empfangen von einer verbindlichen Herzlichkeit, die geprägt war von „wir geben Euch unsere Erfahrungen gerne weiter“ und nahmen den Eindruck mit, dass wir hier jederzeit Rat und sicherlich auch Tat erhalten.

- die Funkrunden:

Hier haben wirWvon den täglichen Funkrunden erfahren. Täglich versuchen die Segler mit mehr oder weniger Verbindungserfolg sich zu erreichen und geben mehr oder weniger wichtige Informationen weiter. Geprägt sind diese Funkrunden von kleinen Hinweisen über Häfen und Wetter, aber auch von dem Gefühl – „dieses Abenteuer starten sehr Viele und wir sind mit dieser Idee nicht allein. Zur Not wissen wir „wir können hier mal um Rat fragen“. „Mehr oder weniger“ starten wir wohl alle nicht mit dem riesigen „Sack an Erfahrungen“ – jeder lernt hier „mehr oder weniger“.

- unterwegs

Weiter ging es in Frankreich und in Galicien – es mehren sich die kurzen Bekanntschaften – „Haben wir uns nicht neulich schon gesehen“, „Wie ist dein Weg“, „Wo willst du hin“?

In der Not … siehe unseren Bericht über unseren „Katastrophentag“ – erhält man Hilfe von Menschen, die man gar nicht kennt (hier SY SPRAY- schwedische Yacht). Jeder weiß hier; dass ist dumm gelaufen, aber – irgendwie kann so etwas auch passieren.

Eine nächste Crew konnte erst Anfang August starten – sehr spät – und wir fiebern mit – dummer Wind, alles von vorn, neues Boot – hoffentlich hält alles. Auch hier – per Mail oder Homepage – erkundigt man sich über das gegenseitige Befinden… alles noch ok? – nicht den Mut verlieren!! Am Rande – dieses tapfere Paar von der SY MEISE hatte fast die gesamte Zeit den Wind von vorne und sind ewig motort.

- die ARC verbindet:

Da wir mit der ARC Plus zunächst über Kapverden nach St. Lucia segeln werden, trifft man immer wieder Crews mit der gleichen Flagge. Da werden auch langsam die Sprachprobleme überwunden und man spricht sich an… „Wann gehts bei dir weiter?“

- auf dem Wasser:

Ist man segelnder Weise unterwegs und man entdeckt unterwegs eine andere Yacht mit einer deutschen MMSI Nummer freut man sich besonders… klar! Es tröstet auch irgendwie, wenn man in der Nacht ein anderes Boot über AIS auf dem Plotter sieht… „da ist es genauso“, die kreuzen jetzt auch 240sm gegen den Wind (hier SY ROTE GRÜTZE).

- im Hafen:

In Porto haben wir eine erfrischende junge Familie kennengelernt (SY ANNE), die mit drei kleinen Kindern (1.-3.-und 5.Klasse) rund Atlantik segeln wollen. Alle hatten und haben wir Segler an der europäischen Atlantikküste gerade das gleiche Problem… wann weht der Wind NICHT mehr aus Süd – bis Südwest!! So auch in Porto. Wir waren uns dort einig…1. das ändert sich in den nächsten 5-8 Tagen nicht… 2. 10kn Wind von vorne ist besser, als 20kn Wind von vorne. Wir sind also gestartet und SY ANNE später auch. Verbal und in Gedanken war diese Familie bei uns – wir zu Zweit ist das eine – mit den drei Kindern – alle Achtung!!! Sie haben es richtig gemacht – kleine Etappen und warten jetzt in Figuera de Foz (Portugal) auf den richtigen Wind.

Beim Auslaufen in Porto lief gerade die SY SPRAY in den Hafen – sie wollten uns vor der heftigen Welle bei der Ausfahrt warnen. Wir haben es nur nicht verstanden; dachten, sie wollten uns  begrüßen. Trotzdem ist es nett… wir denken aneinander…

Gestern hatten wir spontan einen Schlafgast – die SPRAY hat es aufgrund des Windes nicht bis Lissabon geschafft, liegt jetzt 100sm nördlich; aber sie mussten dienstlich nach Hause fliegen. Ihr Flug ging heute aus Lissabon und es gibt keine Verbindung von ihrem jetzigen Hafen nach Lissabon. Kein Problem – wir haben eine Koje frei.

Vebindung:

Schön ist auch, dass sehr viele Yachten eine Homepage haben. Erstmal kann man „schnüffeln“ – wie ist es hier und dort, und dann – ja – wir machen es irgendwie jeder allein und doch gemeinsam.

Ich komme zurück zu Marlene und Bert Frisch von der HEIMKEHR, die den Satz geprägt haben, „die Cruiserfamilie ist eine Familie mit ständig wechselnden Mitglieder“. Genauso ist es… MAN achtet aufeinander und denkt aneinander.

Das ist ein Erlebnis, was wir genießen – es kam sozusagen „unerwartet um die Ecke“. Wir sind sehr gespannt, was uns noch erwartet. Gute Nacht – Eure GarliXe

Übrigens  – wir sind in Lissabon – es ist Stau in der Seglerpilgerfamilie!! Viel Wind aus der falschen Richtung – also – wir basteln, schauen uns die Stadt, quatschen rum, gehen zum Friseur – man, man, man -wir wollen weiter!! – bis Später!