Die Biskayaüberquerung war nichts gegenüber dem Versuch, sich bei 25-30kn Wind an eine spanische Mooringtonne zu legen!

Wir haben an diesem Tag viel gelernt… da wir ja versprochen haben, über alles zu berichten – so werden wir auch über diesen Pleitetag schreiben. Ansonsten sollte man leise lernen und ewig schweigen…-)

Wir wollten weiter – rein in diese spanischen Rias Galiciens…. Da nicht wenig Wind angesagt war, haben wir uns einen Halt gesucht, der im Hafenhandbuch mit „guter Schutz“ beschrieben ist. Bei 25-32 kn aus NNO hatten wir die richtige Windrichtung – deswegen war erst mal alles gut. Gemeinsam mit unseren schwedischen Stegnachbarn aus La Coruna sind wir in den Ria de Cormo gesegelt. Guter Schutz ist bei 30kn Wind relativ, aber es pfeift auch hier ungemindert weiter über die Berge direkt auf die Mooringtonnen, bzw. dem Ankerfeld.

Pleite Nr. 1: Also ran an die Mooringtonne… – nun sind diese nicht wie in Deutschland mit einem praktischen Haken, an dem man sich einhaken kann und dann ruhig die Leine durchfedeln kann. Hier ist das ein großer Ball; unter dem Ball befindet sich ein undefinierbar dicker Leinenklumpen – an dem auch Muscheln, Algen und was weiß noch alles hängt – diesen heißt es zu ergreifen. In der Praxis ist das also kompliziert – hängt ausserdem SEHR weit unten vom Bootsrumpf. Voller Tatendrang habe ich mich also SEHR weit runtergebeugt, unter der Reling hindurch – und ich weiß nicht wie… plötzlich bin ich samt Haken und Leine wie ein Aal in das Wasser gerutscht. Bei Flaute wäre das lustig gewesen… jetzt musste ich erstmal schnell weg vom Boot, diese Leine schnell zusammenraffen (Achtung – sonst vielleicht in den Propeller) und meine Stiefel wollten auch nicht an bleiben (hab’s aber geschafft). Die Rettungsweste hat super funktioniert (ist also Patrone Nr. 3 auf unserem Törn…). Mit dem ganzen „Gerödel“ bin ich zu dem schwedischen Boot… und Jens war nun allein auf dem Boot, in dieser engen Bucht und dem vielen Wind.

Pleite Nr. 2: Jens wusste nun – Mooringtonne ist schwierig, also schnell ankern. Dieser war vorbereitet… und in Heiligenhafen neu bestückt mit einer 70m langen verzinkten Kette. Wir hatten sie ordentlich eingefädelt – aber ehrlich… wir hatten sie nicht vorher getestet. Das war ein Fehler… die Kettenglieder waren beim Verzinken teilweise fest zusammen und haben sich ständig in der Ankerwinde verkantet. Irgendwann hat er es geschafft… ich konnte nur hilflos vom anderen Boot zuschauen.

Pleite Nr. 3: Leider war das Problem – einen richtigen Platz suchen, noch nicht gelöst. Nachdem ich „trocken gelegt“ war, haben wir den nächsten Versuch mit der Mooringtonne gestartet. Ich – mit einem längeren Haken – habe emsig versucht, diesen Klumpen zu greifen – ohne ins Wasser zu fallen. Tja – und plötzlich war die Boje weg und der Motor aus. Also – eine völlig blöde Situation!!! Die Leine der Boje hat sich um unseren Saildrive/ Propeller gewickelt – noch Dümmer gehts kaum. Also – Jens ins Wasser – Druckentlastung mit einer anderen Tonne. Dann das Drama begucken… – um den Schaden zu reduzieren, hat er die Leine der Mooringtonne durchgeschnitten. Jetzt kam ein sehr lauter und temperamentvoller spanischer Fischer, der uns und unseren schwedischen Nachbarn vermittelt hat, dass die Mooringbojen nicht für die Segler sind!! Klasse – wir konnten nicht mehr weg… . Er wurde schwunghaft freundlicher, als er das Problem erkannt hat und hat schnell einen Taucher organisiert, der das Problem für 100 EUR und eine Flasche Sekt schnell erledigt hat.

Letztlich – haben wir ein Stück weiter doch geankert, der Motor und der Saildrive/ Propeller sind in Ordnung und wir wollen den Tag gerne vergessen!!

Danke an die Crew der schwedischen Yacht „SPRAY“ – die uns ganz Klasse geholfen haben.

Später… Ein Freund von diesen blöden Mooringtonnen werden wir sicher nicht mehr; ausserdem war dieser dicke Tampen auch verdächtig schnell durchgeschnitten…. ob der uns überhaupt gehalten hätte?!

Gute Nacht!!

So negativ kann ich den letzten Blog natürlich nicht stehen lassen…

Einen Tag mussten wir uns von diesem ganzen Chaos erholen – und ein wenig unsere „Wunden lecken“. Bei näherer Betrachtung unserer Umgebung sind wir auch in einer landschaftlichen Perle gelandet  – es ist eben wie immer – bei Sonne und ohne „Monster“wind kann fast jeder Ort schön sein. Ein wenig am Notfallmanagement mussten wir auch arbeiten; beim ganzen Durcheinander ging nämlich die Heckklappe nicht runter, weil der Wassergenerator am Heckkorb angebunden war. Da mussten diverse Umbauten vorgenommen werden.

Jetzt sind wir wieder weiter gen Süden unterwegs – vorbei am Cap Finisterre – das ist eine wunderbare und gewaltige Landschaft hier. Wir erkunden das für Euch -stecken nur ein paar Fotos mit „rein“.

Uns geht’s wieder gut – können über unser Fiasko wieder lächeln.

Übrigens – unser Notfallsegel, welches wir auf der Biskaya verloren haben, haben wir noch nicht ersetzt. Wir müssen uns ein anderes System ausdenken. Die Vorstellung, bei >30-35kn Wind auf dem Vorschiff in den Atlantikwellen das Segel über dem Vorstach zu befestigen, ist einfach nicht möglich. Dieses System funktioniert nur am Schreibtisch – oder zumindest nicht mit uns.

Also – bis später. Eure GarliXe