Tour: British Virgin Island – Bermudas, Seemeilen insgesamt ca. 850, noch ca. 550sm 9.Mai 2016 / unterwegs zu den Bermudas

Des Monsters letzter Auftritt war bravourös; wie fast alles in seinem vierjährigem Leben. In einem 1A Manöver entfaltete er in wenigen Sekunden seine grauen, geflickten 160m2.

„Hah, jetzt geht‘s ab, ich hol Euch alle ein!“Aber, das waren nur Träume. Er hatte Auftritte genug; unser Genacker. Allein sein Name verrät „Freud und Leid“, Ärger und Freude, Streit und Witz.  Er hat es ein wenig bunter gemacht, unser Bootsleben. Niemals kam er ungefragt nach oben. Immer ging ein mehr oder weniger einstimmiger Dialog zwischen Jens und mir voraus. Gar keine Einigkeit gab es bei seinen „Windgrenzen“: Jens – 20kn, ich 16kn, usw..  Mehrfach „kuschelte“ er mit dem Vorstag; hat seine 160m2 gerne komplett drumgewickelt. Gut war dann, wenn wir genug Wasserfläche um uns hatten, um ihn wieder zu „endknäueln“, wie im Oslofjord oder auf dem Weg von Gotland nach Stockholm.

Ab und an wollte er uns verlassen. Auf dem Skagerrak ist er samt seinem Seesack ins Wasser gehüpft, so dass wir ihn – um gefühlte 200kg schwerer – wieder an Bord zerren mussten. Auf dem Kattegat hat sich sein Schäkel oben im Mast aufgebogen und ab ging die volle entfaltete Pracht ins Wasser.

Mittlerweile war er dekorativ. An echtes Andenken unserer Reise. Liebevoll geflickt aller lädierten Stellen. Fein säuberlich beschriftet: „Start von Galapagos, „Nuku Hiva“, „Tahiti Pearl Regatta“, zum Ende haben wir auch die Stimmung beschrieben – „Whitsunday Island bei einem wunderschönem Segeltag“.  Es gab auch Zeiten, da hat er uns stundenlang mit Autopilot sanft dahingesegelt; Stunden, die wir sehr genießen konnten. Meistens verlangte er unsere volle Aufmerksamkeit. Jede Windbö, jeder Winddreher ist zu merken.  So wurde er zum vollständigen Crewmitglied hier an Bord. Er hat uns mehr als nur um die Welt begleitet.

Tja, und dann das.  Natürlich ging auch diesmal der Dialog zwischen Jens und mir voraus.

  •  Jens: komm wir setzen den Genacker. ·
  • Ich: Ich denke, es ist zuviel Wind. Gerade hier zwischen den Inseln kommt er sehr böig. Wäre blöd, wenn wir ihn jetzt kaputt reißen und später bei wenig Wind nicht mehr haben …
  • Nachdenken Jens ..
  • 10Min. später: „Komm wir setzen ihn”

Nun, das Manöver war perfekt und weitere 10 Minuten später ist er von oben nach unten gerissen.  Es war nur noch eine Frage der Zeit. Vier Jahre, derartig geflickt, da warteten wir schon fast drauf. Aber schade ist es, sehr schade. Die Flicken waren auch so dekorativ!

Also, wir sind wieder unterwegs. Sind am Samstag mit 42 anderen Booten der ARC Europe Richtung Bermudas gestartet und haben uns damit von der Karibik verabschiedet. Die Inselkette um British und USA Virgin Island hat uns landschaftlich sehr gefallen. Ein ideales Chartergebiet, wenn man nicht „Meilen schruppen“ möchte.

Das mit den 42 anderen Booten ist noch nichts, was uns so ganz gefällt. Wir vermissen noch unsere kleine World ARC Truppe. Liegt vielleicht auch daran, dass diese UK und USA lastige Veranstaltung uns sprachlich weit nach hinten wirft. Dieser hier weit verbreitete amerikanische Akzent wirft uns ins Steinzeitalter mit unseren Englischkenntnissen.

Wir sind gut unterwegs, haben den ersten müden Tag überstanden und wollen am Donnerstag in den Bermudas Inseln ankommen. Drückt uns die Daumen, dass es das Wetter weiterhin gut mit uns meint. Bis später – Eure GarliXe