Tour: Fortaleza / Brasilien – Grenada, insgesamt 1700sm – wir sind da!!!

12.3.16 Nichts ist einfach – vor allem nicht die letzten 250 Seemeilen nach Grenada. Es sind nicht nur die letzten Meilen nach Grenada, sondern überhaupt sind es bis St. Lucia (unserem Start- und Zielhafen) nur noch ein paar Meilen weiter. Aber diese werden uns schwer gemacht.

Vor zwei Tagen: Schöner Tag – heißt Boot ist halbwegs gerade, Himmel ist blau, bald ist Ankunft – alles schön. Ich putz’ schon mal. Damit ging es los.

  • Erster Troll im Boot: Die Sofakissen – oh, alle nass. Das war ja mein Krankenlager, ist da mehr passiert als ich bemerkt habe? Nee, nicht möglich. Recherche – drunter ist der Trinkwassertank. Wir hatten ihn schon lange im Verdacht das er leckt, wenn er zu voll ist. Haben es verdrängt. Da das Boot aber nun mal anders rum segelte („Lee ist falsch rum“) kam das Wasser hoch und schwupp – echt alle Kissen sind klitschnass. Na gut, keine Katastrophe.
  • Zweiter Troll im Boot: Zeitgleich geht der Wind weg. Blöd, aber 250sm vorm Ziel ist das nicht so schlimm. Motor an – und…. Alarm. Ich hasse dieses Geräusch – echt. Zweites Licht von rechts. Beschreibung raus… Beschreibung sagt: Sail drive sea water indicator – aha. Recherche weiter – Beschreibung meint: Dichtring gebrochen. Ups… Frauenhirn – wie viel Dichtringe gibt es da? Der Käpt’n schaut auch nicht sehr wissend. Blick in den Motor – alles trocken. Der Motor startet wunderbar, aber dann Alarm. Lösung laut Beschreibung – „wende dich an den nächsten Yanmar Service“ – ok. Also, ab jetzt kein Motor. Nächste Nacht kann nicht viel schlimmer kommen. Kein Wind, nur Regen, negative Strömung. Nicht schön ist, dass uns dieser näher an Tobago treibt. Wir machen extra diesen großen Bogen um Trinidad und Tobago, weil hier im letzten Dezember zwei Segelboote überfallen wurden. Alle elektronischen Geräte wurden in einer schnellen Aktion mitgenommen. Irgendwann ist auch diese Nacht vorbei und wir können halbwegs segeln. Lähmend langsam.
  • Dritter Troll im Boot: Schon vorm Start war unser Watt&Sea – der Wassergenerator kaputt. Damit hatte er die längste Lebenszeit innerhalb der Boote der World ARC. Ärgerlich. Insbesondere, wenn man den Preis ins Verhältnis setzt mit dem Service (Reparatur ist nur in Frankreich möglich) und die versprochene Leistung bringt das Ding auch nicht. Ausserdem ist er zu laut. Wir haben noch Garantie – das hilft uns aber erstmal nicht. Für die Stromerzeugung hatten wir den Motor – dachten wir. Also wurde es nach dem Ausstieg vom Motor auch mit dem Strom knapp. UV Paneele bringen nicht genug, vor allem nicht bei wolkigem Himmel. Bleibt der mobile Hondagenerator. Das bleibt knapp.
  • Vierter Troll: Sumlog geht nicht. Nicht schlimm. Hatten wir vorher gereinigt, aber gut. Aber auch nicht die Tiefenangabe oder die Wassertemperatur. Schade, diesen Service hatten wir erst seit Kapstadt. Naja – keine Katastrophe, aber in der Summe…, Lösung: „wende dich an den Raymarine – Händler“.
  • Fünfter Troll im Boot: Ab und an steigt der Plotter aus…geht einfach aus. Dabei behandeln wir ihn schon wie ein „rohes Ei“. Brauchen wir ihn nicht, bekommt er die Kappe auf. Raymarine – ihr könnt uns nicht erzählen, dass diese Dinger für draußen gebaut wurden. Dickes Lob bekommt aber der Autopilot – muss ja auch mal gesagt werden.
  • Sechster Troll im Boot: Unser Vorsegel… ist mal „eben“ 1,5m an der oberen Naht aufgerissen. Haben wir nebenbei bei 15kn Wind runtergenommen und per Hand genäht. Es sind die Nähte, die ihr Problem mit dem UV haben. Der Stoff an sich – Dyneema Hydranet – hat ein gute Qualität.

Absolutes Bienchen bekommt unsere GARLIX – die ganze Technik interessiert sie nicht. Sie segelt einfach. Auch mit richtig richtig wenig Wind. Immerhin schaffen wir es – trotz der ganzen Ausfälle als erste durchs Ziel. DANKE

Ach ja, ein wenig „trollig“ war ich ja auch, war sechs Tage ausgestiegen, wovon ich ca. vier verschlafen habe. Wir finden, dieses letzte Leg der World ARC gehört nicht zu unseren besten Touren.

Jetzt – ca. 7Seemeilen vor der Hafeneinfahrt. Kein Wind, kein Motor – wird wohl noch dauern. Puh – so kann’s auch gehen. Und ganz sicher lassen sich diese ganzen Ausfälle sieben Seemeilen vor der Hafeneinfahrt besser beschreiben, als 250sm vorm nächsten Land bei 2000m Wassertiefe. Jedes Problem ist eben immer ein „Problem des LIcht’s“, in welche Katastrophenkategorie es klassifiziert wird.

Ach, kurze Erklärung zur Überschrift. Mein Aberglaube wächst… ich hatte den Strich auf unseren Badeballglobus schon 300sm vorm Ziel bis Grenada gezogen…mache ich nie wieder!

Apropro Aberglaube. In der letzten Nacht blitzte und donnerte es um uns. Aber dank unseres „Donnergottes Thor“, den wir zum Schutz gegen Gewitter an Bord haben, kam kein weiterer Troll an Bord.

Also darauf, dass wir künftig alle Probleme im „richtigen Licht“ einordnen können! Wir machen uns heute trotzdem einen schönen Tag.

Später: Wir sind angekommen. Die letzten Meter in den Hafen haben wir uns schleppen lassen. TULASI hatte für uns gekocht, was gibt’s Besseres!! Leute wir sind da – bis bald – Eure GarliXe