Tour: Bermudas – Azoren, Seemeilen gesamt ca. 1.805, noch 999sm 

21.5.2016 Bericht des Tages – siehe Buch „Wetter auf See“ Seite 40. Durchzug eines idealen Tiefs.

Zugegeben, es gibt bessere Orte und Zeiten, um das zu erleben, als mitten auf dem Atlantik in der Nacht um 2:00 Uhr. Aber es kam nicht von ungefähr; bloß gut leben wir in Zeiten der ordentlichen Wettervorhersage per Mail an Bord. Gott seid dank waren sich bezüglich Heftigkeit und Zugrichtung sowohl die deutschen, als auch die amerikanischen Wetterdaten einig. Es reicht trotzdem! Kurz zum Ablauf:

Barometer fiel seit dem Start auf den Bermudas. Wir wussten das Tief ist in nördlicher Richtung (also links) von uns und genauso sah auch der Himmel dort aus. Die Wolken sahen nicht böse aus, eher so dahin geschmiert. Ab 1:00 in der Nacht fette Wolken von hinten, soweit das in der Nacht zu sehen ist. Im Radar war das alles eine megaböse Wolke – oje. Der Wind nahm zu bis max. 38kn. Bei diesen ca. 75km/h steckt man nicht gerne die Nase raus. Aber sie kamen von hinten, was um Längen besser ist, als von vorne. Zur Krönung der Gruseligkeit kam dann eimerweise Regen und der Wind drehte in kurzer Zeit um ca. 80 Grad von SW auf NW. Damit war die Kaltfront des Tiefdruckgebiets durch und der Himmel war schlagartig klar.

Hammerhart – und genauso steht es im Buch. Um nicht in die falsche Richtung mit 8-10kn Speed zu sausen, haben wir noch schnell eine Halse (Segel auf die andere Seite) gemacht und sind dann wesentlich angenehmer weitergerast. Rasen ist es hier schon, denn Wind ist weiter. Nur eben nicht mehr 38kn, sondern „nur“ noch 30 Knoten. Mmh… Das Barometer steigt wieder, was ein gutes Zeichen ist.

Dieser Ablauf beruhigt etwas; steht ja so im Buch. Wir ziehen den Hut; haben megamäßigen Respekt vor diesen Gewalten. Wollen lieber nicht drüber nachdenken, was es bedeutet, wenn Wind, Wellen, Regen sich so richtig vereinen. Dann Leute, möchten wir für‘s Erleben doch lieber vorm Kamin sitzen. Denn das was wir gerade erleben, ist nur der unterste Zipfel, sozusagen der Rand von dem Tief. Deswegen sind wir solange eher südlich von unserem Kurs Richtung Azoren geblieben.

Wir hoffen, dass der Wetterbericht und das Buch natürlich weiterhin recht haben. Dann entspannt sich das mit dem Wind – bis zu kein Wind – ab morgen. Bleiben nur die hohen Wellen noch eine Weile. Für die ist dieses ständige auf und ab, mal viel mal wenig Wind, mal aus Nord, dann wieder aus Süd harte Arbeit. Nicht im Buch stand übrigens diese blöde Strömung von vorne. Das beeinflusst die Wellen ausgesprochen negativ, denn Wind gegen Strömung kennen wir. Das ist einfach immer nur richtig dumm.

Für uns reicht es jetzt mit dem Erleben der Naturgewalten. Spätestens nachdem erst die volle Kaffeetasse gegen die Tür gefallen ist, und Jens dann folgte haben wir uns die einzige mögliche Beschäftigung gesucht, die geht. Hörspiel an, Leeplatz suchen, und verdrängen, was da draußen passiert. Denn Fakt ist, viel machen kann man nicht. Nur hoffen, dass alles hält. Wir segeln mit einem Taschentuchgroßen Großsegel, keine Fock und mit Autopilot. Ab und an schauen wir raus, was niemals ein vertrauenserweckender Anblick ist. Ansonsten haben wir Kartenplotter und Radar auch innen, um das Geschehen zu verfolgen.

Wir melden uns wieder – bis bald Eure GarliXe.