15. Juli 2016 Es ist ein geklauter Dialog: …“Kannst Du die Berge sehen? Ja, warum? Dann regnet es gleich. Ach so, und was ist, wenn man die Berge nicht sieht? Dann regnet es.“

Wir können nicht einschätzen, ob wir nun besonderes Pech haben mit dem Wetter, oder ob das hier normal ist. Fakt ist, dass man schon hart gesotten sein muss, um das schön zu finden. Relativer Dauerregen bei 14° – 17°.

Wir sind der Meinung, dass wir mit unserem beheiztem und trockenen Boot noch das beste Fortbewegungsmittel haben. Ehrlich gesagt bedauern wir die Wanderer, Radfahrer und Kanufahrer – huh!

Am ersten Tag kamen wir 10 Minuten zu spät, um in Fort Williams die erste Seeschleuse zu nehmen. Es war Feierabend, was angesichts der Strömung und der 20kn Wind, die wir hatten, nicht so positiv war. Es gibt außen vor der Schleuse zwar einen Anleger, der bei Ebbe aber für uns sehr grenzwertig flach war. Zu unserem Glück konnten wir an einem großen holländischen Segler festbinden und haben morgens die erste Schleuse genommen.

Preislich ist es erstmal viel, aber für 14 Tage 238 Pfund zu bezahlen ist insgesamt ok. Dabei haben wir einen kräftigen Rabatt bekommen, da wir aus dem Crinan Kanal kamen. Bei strömenden Regen haben wir die ersten Treppenschleusen (neun) genommen und dann am Anleger Banavie für die nächsten drei Tage festgemacht. Es ist ein guter Anleger als Startbasis, um z.B. Oban, oder die Insel Skye zu besuchen. Dieses Land strotzt vor Geschichte; es ist wie ein „Hype“. Allerdings ist auch die Landschaft im westlichen Schottland umwerfend – die Highlands haben nicht nur was mit schicken Männern im Kilt zu tuen, sondern mit hohen Bergen. Man fährt durch tiefe Täler, überall fließt das Wasser von den Bergen – als wichtige Ausgangsbasis für den allerwichtigsten „Hype“ hier – der Whiskybrennerei.

Der Anleger liegt nah an Fort Williams, dem Startbahnhof für den „Harry Potter“ Zug. Hierfür sollte man aber unbedingt Karten vorbestellen; wir kamen dafür zu spät. Haben das aber nicht bereut, da wir mit unserem Auto eine viel größere Reichweite hatten. Lucie und Max sind dann sogar noch auf den über 1300m hohen Berg Ben Nevis geklettert; oben lag Schnee bei 4°C!! Max startete übrigens in kurzer Hose… Der Ben Nevis ist der höchste Berg Englands.

Vollgepackt mit Erlebnissen sind wir nach drei Tagen weiter über Loch Lochy und Loch Oich. Kurzer Halt in Loch Oich, um dort die Ruine Invergarry Castle zu besuchen; gelebte Geschichte aus dem Buch „Der Keltische Ring“. Nur wirkte diese Burg in dem Buch größer und gruseliger. Nach einem kurzen Kakao im Hotel Glengarry Castle ging es weiter zur nächsten Schleuse. Insgesamt funktioniert das mit den Schleusen sehr gut und wir mussten nur in Fort Augustus etwas länger warten. Die großen Treppenschleusen dauern recht lange, ungefähr 1,5 Stunden. Aber darum geht es ja, um die Langsamkeit. Geradezu überbevölkert ist das hier nicht und auch nicht so besonders gut touristisch erschlossen; z.T. ist es recht einsam. Wahrscheinlich ist das gewollt.

Für uns ist es eine Wohltat; kein Wind (Regen – ok) und absolute Stille an den Liegeplätzen. Wir genießen Kanalfahren -wer hätte das gedacht. Aber die „Mastgesänge“ an den windigen Ankerplätzen vermissen wir nicht. An den meisten Liegeplätzen sind Sanitärgebäude; mehr oder weniger gut.

Den nächsten längeren Halt machen wir in Inverness, in der Seaport Marina. Leider ist die Zeit mit Lucie und Max vorbei und sie starten über Edinburgh Richtung Deutschland. Schade, aber die Trennung ist ja diesmal nicht mehr so lang.

Hier im östlichen Gebiet von Schottland gehen die „Whisky Trails“ richtig los. Es ist nicht möglich, keine Distillery zu entdecken. Sollte man auf den Strassen nicht weiter wissen – warten auf den nächsten Reisebus und immer hinterher. Es wirkt, als wenn es mehr Urlauber gibt, als Einwohner. Und alle haben das gleiche Ziel. Trotzdem bleibt es recht einsam hier. Wenn man mal keine Distillery besuchen möchte, sind zwei andere Ziele sehr empfehlenswert. Die Spinnerei und Weberei in Knocklando und die Fassbauerei in Craigellachie. Ach ja, dann gibt es hier noch die vielen vielen Schlösser und Burgen. Wenn das Wetter schlecht ist, es wird also nicht langweilig.

Der Kanal an sich ist mit seinen knapp 50sm und 29 Schleusen ein landschaftliches Erlebnis. Besonders Loch Lochy und Loch Ness.

Für uns ist die Zeit hier fast vorbei und vor uns liegt unsere letzte größere Distanz – über die Nordsee Richtung Deutschland. Wenn wir das nächste Mal herkommen, schauen wir vorher den Wetterbericht… Also, bis bald Eure GarliXe