Tour: Reunion – Richard Bay / Südafrika / Strecke gesamt ca. 1350sm / aktuell noch rd. 1100sm, 2.11.15

Also, wenn wir bisher schon immer mit sehr viel Respekt gestartet sind, so potenziert sich dieses Empfinden für diese Strecke nach Südafrika um ein Vielfaches.  Schon der Start war spannend: starten ja – starten nein – starten vielleicht – eher ja, also los.

Wer sich jemals die Mühe gemacht hat, z.B. über Passagewetter (www.passageweather.com) sich die Wetterdaten für diese Gegend anzuschauen, der weiß Bescheid. Hier ist eigentlich immer was los!! Die Tiefdruckgebiete geben sich sozusagen „die Hand“. Das verbunden mit dem hier herrschenden Agulhas Strom bringt eine gewisse Spannung in die Tour.  Von Reunion aus sind es bis Richards Bay (ca. 80sm nördlich von Durban) rd. 1350 Seemeilen. Die Strecke halbiert sich an der Südspitze von Madagaskar. Für 600sm benötigen wir rd. 4 Tage. Länger sind seriöse Wetterdaten auch nicht ernst zu nehmen. Wir wissen, dass wir morgen Wind um die 25-30kn Wind erwarten und der Wind von jetzt Nordost auf Süd – Südwest dreht. Übersetzt bedeutet das, dass wir jetzt „oben ohne“ segeln können – bestes Wetter, aber morgen der „Fuchs pfeift“. Heute Wind von hinten, morgen Abend von vorne. Also ist unser Ziel, bis rd. 300sm südlich von Madagaskar zu segeln, um dann bei den südlichen Winden Richtung Nordwest abzulaufen.

Dieses Wettergeschehen wussten wir schon beim Start. Die Vorhersagen haben sich aber täglich geändert. Nachdem wir uns das Wettergeschehen um Südafrika seit vielen Wochen ansehen, waren uns bewusste 25-30 kn für eine relativ kurze Zeit lieber, als über 40 und 50kn. Es ist wohl immer ein Lotteriespiel, aber die Vorhersage ist seit 3 Tagen stabil, so dass wir hoffen können.

Danach wird’s wieder spannend nach Südafrika. Hier entfaltet der Agulhas Strom seine Strömung von Nord kommend. Bei meistens südlichen Winden (Strom gegen Wind war noch nie gut), kann das mehr -echt mehr – als unangenehm sein. Aber das kommt später – alles „step by step“.

Die ARC Leitung hat den Start zu dieser Strecke allen Booten frei gestellt, jeder kann entscheiden, was er tut. Fast alle Boote sind aber mit genau dieser Strategie gestartet.  Wir haben es mittlerweile auch geschafft, dem Kurzwellen Gerät die „DSC Watch“-Funktion zu entlocken. Das bedeutet, dass wir alle ARC Boote direkt anrufen können und in Notsituationen auch direkt und zu jeder Zeit angerufen werden können. Wir hoffen, dass wir diese „Notsituation“ nicht haben werden. In dieser Gegend denkt jeder an evtl. Piraten – auch das ist möglich.

Ansonsten geht es uns richtig gut, gerade müssen wir uns etwas erholen. Wir hatten wieder Trouble mit unserem Vorsegel. Wieder mal ist die Schiene vom Vorstag runter gerutscht (gleiche Situation wie im Pazifik) und Jens ist wieder in den Mast (bei 16kn Wind und ca. 1,5m hohen Wellen) und hat die Schiene oben wieder eingefädelt. Jetzt können wir auch das Vorsegel wieder einrollen. Puh.. bloß gut, dass wir das heute bemerkt haben und nicht erst morgen bei dem vielen Wind.  Also Leute – uns ist nicht langweilig. Aber es ist auch richtig gut, wieder unterwegs zu sein.

Drückt uns die Daumen für die nächsten Tage. Eure GarliXe