Tour: Cocos (Keeling) Island – Mauritius, ingesamt 2.350sm, noch ca. 500 sm 7.10.2015

Es ist Nacht 0:30 Uhr – Übergabe der Wache von Jens mit den Worten: „Momentan ist alles ruhig draußen!“. Ich krieche gerade aus der Koje, pflücke meine Ohrstöpsel aus dem Ohr und schwanke mit beiden Händen festhaltend ins Bad. Es empfängt mich die Geräuschkulisse einer Autowaschstrasse – und denke heimlich „der spinnt“. Draußen sind 20-24kn Wind, kein Mond (aber immerhin Sterne), alles ist unkuschelig nass und zur Krönung des ganzen, fahren wir offensichtlich in einer Schifffahrtslinie. Dass zumindest kann man vermuten angesichts der vielen Schiffe, die unseren Weg queren. Mein Hirn muss sich noch dran gewöhnen, dass DAS ruhig ist.

In den letzen vier-fünf Tagen hatten wir immer Etmale von über 200sm, hier war also in den letzten Tagen schon nichts ruhig. Inzwischen ist auch unser vorletztes Highlight heran geflogen … vor uns liegt weniger als ein Viertel der Strecke. Noch führen wir das Feld, aber von hinten kommt mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit von durchschnittlich über 9kn MAKENA (Lagoon 62ft) auf. Sehr gut! So richtig toll finden wir das nicht, wenn wir als erstes Boot im Hafen sind. Zur Begrüßung und was weiß ich alles wird man immer mit dermaßen vielen englischen Funksprüchen empfangen, da kann uns schon mal jemand den Weg bereiten!. Sozusagen, können wir vorher fremd mit rein hören.

Ansonsten sind wir schon überrascht, dass wir über die ganze Zeit das Feld anführen. Was allerdings nicht bedeutet, dass wir damit auch einen Preis gewinnen. Durch unseren sehr hohen Verrechnungsfaktor werden wir das diesmal wohl nicht schaffen. Nur TULASI (Amel 64) und APLUS2 (Amel 54) müssen schneller sein als wir. Ansonsten müssen wir sehr viel Strecke raus segeln. Z.B. gegenüber CIRCE (Hallberg Russy 48) müssen wir 6,5% schneller sein. Das entspricht bei einer Strecke von 2.400sm 156 sm. Das können wir nur schaffen, wenn wir Leichtwind haben. Aber bei diesem ständigen Wind über 20kn sind die doch wesentlich längeren Boote mit ihrer Rumpfgeschwindigkeit einfach schneller.

Aber noch haben wir Strecke vor uns und hoffen, dass wir heil und gesund in Port Louis ankommen.  Die Stunden vergehen, es ist nicht langweilig. Soviel Schiffe um uns hatten wir selten. Alle haben das Ziel Singapore und fahren wohl um Südafrika direkt zum Ziel in unserer Kompasslinie.

Es ist 5:30 Uhr morgens und ich wecke Jens: „Hallo Schatz – es ist ganz ruhig hier draußen!” Keine Veränderung gewesen.  Und dann kommt der Tag und endlich – endlich müssen wir uns nicht mehr festklammern. 13-15kn Wind, die Wellen werden weniger und wir können den Code Zero setzen. Danke Neptun, das ist ein wunderbares Geschenk!!

Wir genießen den Tag – es ist ein Highlight – Tag!! Bis bald – Eure GarliXe