Tour: Fortaleza / Brasilien – Grenada, gesamt ca. 1.700sm, noch ca. 450sm

9.3.16: Fragt man uns heute: Habt Ihr nicht langsam genug von der Segelei?, können wir wohl ehrlich sagen -ja, langsam ist es genug.

Seit 7 Tagen sind wir wieder unterwegs – klingt kurz, kann aber auch ganz schön zäh werden. 1700 Seemeilen. Wir mögen sie nicht mehr, diese langen Strecken. Dabei sind wir froh, dass Strecke auf See in Meilen ausgewiesen wird. 3400km mit der Geschwindigkeit eines Fahrrades zurück zu legen wäre endlos länger.

Es liegt vielleicht auch daran, dass wir die ganze Zeit mit 40 – 60 Grad gegen den Wind segeln; heißt – Schräglage von 20-30 Grad. Immer! Dabei schaukelt es vor sich hin. Immer, Heißt auch, permanente Reglosigkeit. Sicher ist, wer sitzt. Gut ist, Lee ist falsch rum dieses Mal (siehe vorletzter Blog). Die Zahnbürste bleibt im Schrank und fliegt mir nicht gleich entgegen. Schlecht ist, das Waschbecken ist in Lee. Blöd! Ventil vom Waschbecken ist zu, sonst kommt das Wasser hoch; mmh. Blöd ist, neues T-Shirt … es fallen gleich alle raus. Hallo Schwerkraft…

Und doch dann gerade eben. Aus der dunklen Nacht, der sacht beleuchtet war von dem endlosen Sternenhimmel krabbelt sie hoch – unser dickes fettes dominantes Lebenslicht. Dieser Ball. Grell, hell. Das sind und bleiben die großen Momente. Lass sie bleiben, diese Zeitschnipsel! Lass uns einfach hierbleiben.  Nein, wir sind nicht verwirrt. Wir wissen das Besondere unserer Zeit hier. Gerade segeln wir die letzten 400 Meilen mit der World ARC in Richtung Karibik. Vor 14 Monaten sind wir von hier aufgebrochen. Und ganz sicher, für immer bleiben diese Zeitabschnitte der letzten Monate in unserem Blut. Wir kommen wieder als die gleichen Menschen. Aber wir sind nachdenklicher geworden, kritischer, interessierter. Vielleicht auch weniger Arrogant.

Wir Deutsche, die zufällig und ohne eigenes Zutun in eine Gegend hineingeboren wurden, die uns in Sicherheit und Wohlstand leben lässt.

Wir „Skandinavien Urlauber“ und bei den Nachrichten kaum Wissende, wo die Länder liegen, über die erzählt wird. Überall war unser Deutschland bekannt, überall war es einfach, mit dem deutschen Pass einzureisen. Schweinsteiger und Merkel – genau in dieser Reihenfolge. Auch auf der Insel Efata in Vanuatu, in Fatu Hiva in den Marquesas. Alle wussten Bescheid und wir waren ein wenig stolz.

Traurig sind wir, wenn wir hören, dass im diesem Jahr ein Zyklon die Stadt Suva in Fiji zerstört hat. Wir wissen jetzt, wo es liegt, ändern tut es trotzdem nichts. Als Segler sind wir der Natur wie kaum ein Anderer ausgesetzt. Denkt man. Aber diese Menschen, die dort leben auch. Kritischer sehen wir die Umweltzerstörungen und den Raubbau, die mit dieser Erde betrieben wird.

Für uns ist es trotzdem genug. Wir freuen uns auf unser zu Hause, auf ein Schnitzel bei Wella und Lutz. Noch haben wir sie nicht beendet – unsere Weltumseglung. Aber interessieren tut es uns weniger, als zuvor. Es war wohl insgesamt mehr der Weg, der diese Zeit ausgemacht hat.

Und jetzt noch kurz die Erklärung zu dieser blöden Überschrift. Ich habe mal eine Tonkugel gekauft mit der Aufschrift: „Nach jeder dunklen Nacht kommt ein heller Morgen“. Blöd, simpel. Aber ein Satz, den wir in den letzten Monaten mehr als zuvor verinnerlicht haben. Lasst es Euch gut gehen – Eure GarliXe