Tour: Lissabon – Madeira / erster Tag ist geschafft (24.9.14)
Ich denke, es lässt niemanden kalt …. rund 1000km Wasser liegen vor uns und wir verlassen das europäische Festland! Dieser Rückblick auf Lissabon ist ein guter Moment, um kurz etwas wehmütig zu werden. Wir denken an Vieles, was wir zurücklassen; was wir gerne noch hätten, aber nicht ändern können. Möchten gerne, dass sich manche Dinge niemals ändern; manchmal soll alles bleiben, wie es ist, bzw. war.
Sehr aktiv haben wir mit unserer Entscheidung los zu segeln in Kauf genommen, dass sich fast alles um uns herum verändert. Zumindest für den Moment und für die nächsten Monate.
Deswegen blicken wir Richtung Westen  haben unser ursprüngliches Vorhaben über Marokko zu den Kanaren zu segeln geändert. Jetzt gehts nach Madeira. Die letzten zwei Wochen hatten wir in Portugal ständig das Gefühl, dass wir in der Nachsaison segeln. Falscher Wind, viel Regen, zu kalt (für Jens nicht).
In Lissabon brach eine große Abschiedswelle unter den Seglern aus. Viele sind weiter Richtung Süden gesegelt – wollen z.B. in Lagos überwintern, oder wollen ins Mittelmeer. Der größte Teil startete aber Richtung Madeira  erstes Ziel – Porto Santo.
Wieder gemeinsam mit der Crew der SY ROTE GRÜTZE liefen wir aus dem Hafen aus. Es war ein Moment zum Festhalten – wir hatten unglaublich schönes Wetter; anfangs zu wenig Wind, aber unser Code Zero hat das Beste rausgeholt. Vor uns liegen ca. vier – fünf Tage Wasser.
Jetzt sind wir seit 24h unterwegs; wir haben rd. 20kn Wind aus NNO und einen “netten” Windwinkel von rd. 120°. Hinter uns liegt die erste Nacht – wir hatten ein Etmal von 175 sm. Zwischenzeitlich sind wir nur mit der Fock gesegelt – und gefühlt fliegen wir mit rd. 8kn Richtung Südwest. Unser zu Hause schaukelt bei den ganzen Wellen; aber das ist besser als die Kletterei bei Schräglage. Es lebt sich diesmal besser auf dem Schiff, als auf dem Weg Porto – Lissabon.
Gerade sind wir in Höhe der Gorringe Ridge. Das sagt wahrscheinlich niemanden etwas. Aber da gibt es zwei Stellen im Wasser, die sind nur 20m tief. Nun stellt Euch mal die Berge unter Wasser vor – aus ansonsten 3000-4000 Meter Wassertiefe geht es so weit hoch. Ist schon etwas unheimlich  hoffentlich haben die Kartenvermesser alle Berge gefunden .
SY ROTE GRÜTZE haben wir schnell aus dem AIS Signal verloren; 18 t Stahl bewegen sich nicht ganz so schnell durch die Wellen. Sehr schade  wir haben sie gerne bei und neben uns; es tröstet in der tiefschwarzen Nacht. Bisher sind wir sehr stolz auf unser Schiff  und jetzt muss ich auch endlich mal Jens loben. Er hat noch in Rostock eine neue (bzw. zweite) Selbststeueranlage eingebaut. Es ist unglaublich, wie diese Technik die Wellen ausreitet – besser können wir es nicht – und lassen sie machen. Auch die Technik mit der Kurzwelle funktioniert mittlerweile. Z.B. wird dieser Blog per Kurzwellen – Mail versendet. Auch den Wetterbericht holen wir uns über Kurzwelle als Grib-Daten. Für viele Segler ist das schon Selbstverständlich, für uns bisher nicht.

Es geht uns gut – mitten im Nichts. Wenn es so weitergeht, sind wir am Freitag in Porto Santo. Bis dahin  verliert den Spaß nicht. Eure GarliXe