Tour: Leg 15: Kapstadt – St. Helena – San Salvador in Brasilien / Strecke gesamt: 3.600sm / Strecke aktuell: St. Helena – Salvador: 1.900sm, aktuell noch 980sm 

25.1.16:  Letzte Nacht 0:30; Jens weckt mich, er ist jetzt froh schlafen zu dürfen. Mein erster Gedanke, kommen wir noch vorwärts? Es ist so ruhig, so angenehm ruhig! Ein Blick auf die Logge – 5 Knoten. Das ist nicht „der Bringer“. Das sind nicht einmal 10 Kilometer in der Stunde.

Der nächste Blick auf die Seemeilen bis Salvador – 1069! Puh, bei aller Schönheit hier, dass wird noch dauern. Mein Zahlenhirn rattert: 1069Meilen durch 5kn pro Stunde macht noch knapp 9 Tage. Macht nur 120 Meilen, also rund 220 Kilometer pro Tag. Ist also noch „neun kleine Brote“ lang. Hab ich noch soviel? Danach muss das haltbare Brot gegessen werden; schmeckt nicht.

Zwei Stunden später – noch 1059 Meilen. Das klingt doch irgendwie gleich der 1.069 und die Logge rutscht auf 4 Knoten pro Stunde. Das sind nicht mal 2 Kilometer pro Stunde weniger, macht aber eine gut „2 Brote längere“ Fahrt. Aber dafür ist es schön hier. Ich mixe mir einen Kakao und setze mich in die vom Mond helle Nacht. Übrigens, auch die Milch ist schon alle und ich probiere das Milchpulver. Schmeckt gut. Endlich werden diese vielen Packungen mal alle.  Ich rechne mir das Ankunftsdatum aus: Mist, ist nach dem 31. Januar. Da wollten wir ja ein wenig feiern. Wenn wir aber am 31. in diesem Jahr nicht feiern dürfen, dann wird’s auch in den nächsten Jahren mau werden. Da wir auf dem Wasser keinen Alkohol trinken und uns vorgenommen haben, zu diesen Zeiten das auch im nächsten Jahr nicht zu machen, wird die Feier trocken werden. Auch blöd also.

Wieder eine Stunde später – noch 1.050. Auch gleich, oder? Die Relationen der Empfindungen bei den Meilenzahlen haben sich mit der zurückgelegten Distanz der Gesamtstrecke seit Deutschland etwas verändert. Grundsätzlich gilt, die Zeiten auf dem Wasser möchten wir um nichts missen. Aber irgendwann kann es dann doch auch zu Ende gehen. Deswegen gilt, alles was Vierstellig ist, ist schwierig. Steht dann noch eine 3 oder 2 davor, ist schon der Blick komplett indiskutabel. Wir leben für den Moment und schauen einfach nicht hin.Dann die 1000der Meilen; sind eigentlich auch nicht viel besser.

Rasant geht es ab Dreistellig, ständig ist dann solch „Hunderter“ rum – Jeep! Dann kommt die zäheste Strecke, die letzten 100 Meilen. Ankommensfieber und Abschiedswehmut gleichzeitig. Dann die Null. Dann geht alles zu schnell und in Gedanken sind wir dann erst 100 Meilen später tatsächlich da.

Wieder eine Stunde später, ich darf mich in die Ruhe betten.Es ist himmlisch ruhig. Dann zum Frühstück noch 1025 Meilen. Merkt Ihr, dass ist ewig. Wir sind gut drauf, ich backe mein Brot und bin hocherfreut, dass eine seit 14 Monaten verfallene und leicht feucht gewordene verklumpte Backmischung gutes Brot hervorbringt. Übrigens, die Logge sagt gerade 6kn; wird’s vielleicht doch noch was mit der Feier in diesem und im nächsten Jahr!  Also, jedem der das jetzt bis zum Ende gelesen und nachvollzogen hat, gratuliere ich! Vielleicht wird man auch ein wenig plemplem hier draußen.  Übrigens, jetzt sind es noch 974 Meilen bis Salvador.

Geht jetzt also blitzschnell, bis gleich also. Eure GarliXe