Tour: Lissabon – Porto Santo – 527sm / 75h / 7kn Durchschnitt

Fotos: Delfine, Fliegender Fisch (ist das einer???), unterwegs

Hinter uns liegt die bisher von uns längste selbst gesegelte Strecke auf dem Atlantik. Wir segelten rund 75h mit drei Nächten. Auch das war neu – über die Biskaya waren es nur zwei Nächte. Also haben wir uns gut vorbereitet. Wir haben vorgekocht und das Boot aufgeräumt. Das klingst selbstverständlich… ist es auch, letztlich doch nicht so einfach. Es kann unglaublich viel fliegen und rutschen auf solch einem Boot. Haben unsere Seekojen richtig „beräumt“ …und … uns drauf gefreut.

Wie läuft’s also ab – solche Routine auf dem Wasser?

Heiligste Angelegenheit ist, dass jeder genug Schlaf und Erholungsphasen bekommt. Viele Crews haben dabei einen festen Rhythmus – alle 3h oder 4h ist da „Wachablösung“. Das ist uns bisher zu anstrengend… liegt man in der Koje und es krabbelt ständig der Gedanke im Kopf… „schnell, schnell schlafen – gleich gehts wieder raus“.

Bei uns beginnt die Nacht sehr früh. Gleich nachdem wir uns „Brotbüchsen“ für die Nacht zurechtgestellt haben, geht – meistens ich – der Erste von uns gegen 19:30 / 20:00 in die Koje. Für Jens ist das nicht möglich, so früh zu schlafen. Aber da ich eher ein „abendlicher Schlaffi“ bin, ist das für mich kein Problem.  Gegen 2:00 – 3:30 Uhr weckt mich Jens und wir wechseln die Angelegenheit. Auf diese Art und Weise hat jeder von uns bis zu 6h am Stück Schlaf. Am Tage tauchen wir noch für einen Kurzschlaf ab… also Fazit – wir fühlen uns erholt. Bisher war es nicht notwendig, dass wir beide gleichzeitig draußen sein mussten.

In der Nacht allein draußen – ganz ehrlich – ein wenig gruselig ist das schon. Aber einzig, weil es so stockdunkel ist. Solch tief schwarzen Nächte kenne ich so nicht… irgendwo gab es eben immer eine Strassenlampe… . Diesmal hat sich der Kumpel Mond nicht gezeigt – nur eben 1000de Sterne. So klar und ungebremst habe ich auch diese bisher nicht gesehen! Man ist angezogen von dieser puren Natur… und verdrängt gerne den Gedanken, das einfach NICHTS zu sehen ist. Auch unsere starken und hellen Strahler bringen da nichts – im Gegenteil.

Also versucht man irgendwelche Lichter auf dem Wasser zu sehen, die keine AIS Kennung haben. Segeltechnisch passiert in der Nacht auch nicht viel. Die bunten Segel sind alle unten, wenn doch etwas mehr Wind ist, reffen wir eher mehr, als zu wenig.

Bei unserer aktuellen Tour haben wir von knapp 30kn Wind – bis 8 kn Wind alles erlebt. Die 30kn waren aufgrund Reff im Groß und später (über Nacht) ohne Groß und nur mit Fock gut zu überstehen. Die Wellen waren am Anfang etwas sportlich – auf den langen Atlantikwellen haben sich „kleine Möchtegerne“ aufgebaut.

Da es in der Nacht also nicht so richtig spannend ist, hören wir dann gerne Hörbücher, fummeln im Rechner (eher selten), oder lesen mit Kopflampe ein Buch. Zwischendurch nach Schiffen Ausschau halten, bzw. diesen Ausweichen. Das allein kann viel Zeit in Anspruch nehmen… denn das ist dann doch Spannung.

Wenn man ansonsten nicht gerade in der Koje liegt, oder sich ums sonstige Überleben kümmert, ist es unglaublich faszinierend nur aufs Wasser zu gucken. 1000mal gelesen – Delfine, Fliegende Fische, leuchtendes Plankton, blau – sauberes Wasser, endlose Weite. Live ist es fesselnd.

Eventuell klingt das für manchen lesenden Begleiter langweilig… bisher war es  für uns nicht. Es dauert aber auch alles viel, viel länger!!! Schon allein etwas zu essen machen… da „springt“ schon mal der Kaffee aus der Kanne (1x in den Kühlschrank, 1x in die Plicht), oder die Haferflocken aus der Schüssel (mit Milch).

So und jetzt… schon allein der Anblick von Porto Santo – „Land in Sicht“ – nach 500sm ist irgendwie „MEHR“. Jetzt sind wir gespannt – wir werden berichten!.

Bis später – Eure GarliXe