Es herrscht Stau bei den Seglern! Ich denke, kein Segler bewegt sich in den letzten Tagen Richtung Süden,bzw. Südwesten. Zu dem seit Wochen herrschenden Süd – Südwestwind kam nun auch noch viel Wind und Regen dazu. Es „herbstelt“ – und wir wollten zur Barfußroute.

Nach unserer Tour aus Porto verbringen wir die Zeit in den vielen Häfen von Lissabon. Wir „kuscheln“ uns im fast letzten Hafen – in der Marina Parque das Nacoes ca.18sm in dem Fluss Tejo rein – gemeinsam mit vielen anderen Seglern verschiedenster Nationen. Wir warten auf den nördlichen Lichtblick in den Wetter – Daten. Was macht man so, wenn man zur seglerischen Untätigkeit verdammt wird?

  1. Wie nähern wir uns dieser großen Stadt? Kulturell macht uns die Stadtrundfahrt im Yellow-Bus fit; niemals hätten wir ansonsten so viel gesehen und gehört. Lissabon hat das gleiche Problem wie Porto; es gibt wunderschöne Ecken -aber die Menge der historischen Bauten können wohl kaum erhalten werden. Die massive Einwohnerabwanderung ist auch deutlich zu sehen – in den letzten 30 Jahren hat die Stadt rd. 300. 000 Einwohner verloren.
  2. Wir waren im besten Ozeaneum unserer bisherigen Welt: Wir liegen im Hafen des ehemaligen Expogeländes von 1998. Das sind ja immer solche Art „Satellitenstädte“; hier aber mit einem wirklich einzigartigen Ozeaneum.
  3. Ausflug nach Sintra und zum westlichen Punkt Europas:
    Gemeinsam mit der Crew von der SY ROTE GRÜTZE haben wir uns ein Auto gemietet und sind 35km zum Ort Sintra gefahren. Das ist ein Ort für mindestens eine Woche Kultur. Diese Burgen und Schlösser aus den verschiedensten Epochen der portugiesischen Geschichte hat uns wohl alle vier umgehauen. Letztlich haben wir uns nur eine Burg aus der Mauren Zeit angesehen; aber das hat sich gelohnt. Das sind Blicke zum Planen und Träumen. Dieses Gebiet gehört übrigens auch zum Weltkulturerbe.
    Danach waren wir am Cabo Roca – am westlichsten Punkt Europas. Das hatten wir beim Vorbeisegeln gar nicht so recht bemerkt. Waren wir damals aber auch etwas in Eile – es wurde zunehmend dunkel und es zog ein Gewitter auf. Aber eindeutig – vom Wasser ist es schöner – hier oben sind einfach zu viele Menschen.

Ansonsten versuchen wir auch Land und Leute zu erleben. Und da können wir nur sagen – hier gibts nichts zu meckern. Zwar sind wir immer am Staunen, mit wie viel Personal und in welcher (geringen) Geschwindigkeiten die einzelnen Dinge erledigt werden. Es ist schon unglaublich. Im Supermarkt wird in der Gemüseabteilung das Gemüse vom Personal gewogen und in Tüten gepackt. Dafür stellt man sich erstmal an. An der Kasse darf man seine Sachen nicht einpacken – alles wird von der Kassiererin eingepackt. Aber die Häfen „schlagen“ jegliche Personaldiskussion. Im Office sind mindestens zwei Mitarbeiter und weitere Zwei für die Hilfe beim Anlegen. In der Nacht Sicherheitsdienst – zusätzlich zu den verschlossenen Türen. Und alle sind unglaublich freundlich.

Jetzt endet bald unsere Zeit hier in Lissabon – am Dienstag soll der Wind auf nördliche Richtung drehen. Jetzt stellt Euch das Heer an Seglern vor, die (fast) alle Richtung Madeira starten. Morgen segeln wir schon in die „Startposition“ – 15sm weiter westlich. Vorher bekommen wir noch vom Supermarkt unsere Einkäufe geliefert… am Sonntag wohlgemerkt.

Dann starten wir zu unserer vorerst längsten Überfahrt über den Atlantik – rd. 530sm! Drückt uns die Daumen. Bis bald – Eure GarliXe