15.7.15 Port Vila/ Vanuatu / Start  nach Australien/ Mackay am 16.7.15

Dieser Besuch in Vanuatu kratzt an uns… . Nun sind wir soweit gesegelt, haben so viele Länder besucht, aber noch nie waren die Menschen so hautnah arm- wirtschaftlich. Auch ohne Zyklon leben die Menschen hier in Verhältnissen, die für uns in Deutschland nicht vorstellbar sind. Wir kommen an sogenannten „Villages“ vorbei – mmh – kein Geräteschuppen in Deutschland sieht so aus. Und dann ein ganzes Dorf davon. Diese Unterkünfte überleben keinen ordentlichen Sturm, geschweige denn 300km/h. Die meisten Haushalte sind ohne Strom, ohne fließendem Wasser im Haus. Die Küchen der Häuser – kein Herd steht dort, sondern Feuerstellen am Boden. Die Wäsche wird gewaschen im Fluss.

Wir waren in einer Schule; solch ein Klassenraum in Deutschland – undenkbar.

Und dann kam dieser Zyklon, der nicht  nur eine Anzahl der Gebäude zerstört hat, sondern auch die Bäume und Strassen. Das hat dieses Land sehr geschädigt.

So zumindest sieht es im Inneren der Insel aus. Nicht allerdings in Port Vila – der Hauptstadt von Vanuatu. Hier wurden wir sehr professionell empfangen. Noch nie ist jemand auf unser Boot gesprungen und hat uns beim Anlegen geholfen. Ständig läuft Security umher und es gibt halbwegs vernünftige Läden. Allerdings sind die Preise ok für uns; erinnern an Deutschland. Wir können uns nicht vorstellen, dass irgendein Local hier einkaufen kann.

Aber gleichzeitig erleben wir hier Menschen die unglaublich herzlich sind und eine Gastfreundschaft bieten, die sehr, sehr berührend ist. Diese Lebensfreude ist ansteckend; ist sehr emotional.

Port Vila ist trotzdem völlig anders als Tanna. Dort hatten wir irgendwie den Eindruck, als wenn die Zeit stehen geblieben ist. James Cook, der dort in die gleiche Bucht wie wir eingelaufen ist, hatte das gleiche Bild vor sich. Die Bauweise der Boote und vieler Häuser hat sich nicht geändert.

Ein Erlebnis dort hat uns sehr erschreckt; hat uns daran erinnert, dass wir der Natur ziemlich ausgesetzt sind. Alle liegen wir in der Ankerbucht von Port Resolution, als der Wind um 180° dreht und plötzlich haben wir 30kn Wind. Ein große Herausforderung für die Anker. Ein Katamaran 44ft (also zweimal unsere XP44) fängt an zu driften. Die Crew ist nicht an Bord. Der Anker findet keinen neuen Halt und „schießt“ durch’s Ankerfeld… an uns vorbei und dann direkt weiter in Richtung MAKENA – ein 62ft Katamaran. Die Leine seiner Ankerboje wickelt sich um Ruder und um beide Propeller… und zieht mit dem vollen Gewicht dran. So miteinander verbunden driftet auch MAKENA in Richtung des nächsten Katamaran. … was für ein Geschoss. Letztlich Glück im Unglück… Propeller und Ruder sind nicht beschädigt. Die Boote haben tiefe Scharten bis unter die Gelcoat. Nicht auszudenken, wenn das Gleiche in der Nacht und bei 20m Wassertiefe passiert wäre. Wir werden keine Freunde der Ankerei… ganz bestimmt nicht. Gewundert hat uns, dass die Lokals in ihren Minibooten das Wetter auch nicht rechtzeitig erkannt haben… einer ging fast unter…denn schwimmen konnte er nicht.

Morgen starten wir Richtung Australien. Das ist eine spannende Etappe – Leute – wir segeln nach Australien!!! Das ist doch was!! Wir bereiten uns aber auch auf eine unangenehme Etappe vor. Es ist relativ viel Wind und wir müssen ab Kaledonien Richtung WSW segeln. Bei südlichen Winden kann das evtl. etwas unangenehm sein. Vor uns liegen rd. 1200sm. Bleibt bei uns – Eure GarliXe