Tour: Leg 15: Kapstadt – St. Helena – San Salvador in Brasilien / Strecke gesamt: 3.600sm / Strecke aktuell: St. Helena – Salvador: 1.900sm, aktuell noch 380 sm 

29.1.16: „Ist Euer Boot nach der Weltumsegelung verschlissen, oder werdet ihr es weiter nutzen können?“ Diese Frage stellte ein Leser unseres Blog und die Antwort ist wahrscheinlich interessanter, als die Themen der Blogs davor. Die Antwort darauf hat eine große „von-bis“ Spanne und wir können nur unser Boot, bzw. die Boote der World ARC umschreiben. Wenn wir in Brasilien angekommen sind, sind wir seit Deutschland ca. 29.000sm in 19 Monaten gesegelt; seit unserem Kauf des Bootes ca. 34.000sm. Ein durchschnittlicher Segler in der Ostsee segelt pro Saison zwischen 1.000-2.000sm.

  • Verschleißteile: Alle Verschleißteile sind mehr mitgenommen, als sie ansonsten in diesen knapp zwei Jahren gewesen wären. Diese müssen mehr gecheckt, getauscht und gewartet werden. Das heißt im Alltag – und nicht nur im Hafen – bestenfalls Durchführung eines täglichen Checks von gefährdeten Teilen. Rigg, Blöcke, Leinen. Bekommt man rechtzeitig Schwachstellen mit, können wir größere Katastrophen vermeiden. Wir haben eine ganze Tüte gesammelt mit sogenannten „unkaputtbaren“ Leinen (Dyneema) oder Blöcken, die alle ihren Geist aufgegeben haben.
  • Segel: Diese sind stark belastet, durch UV Strahlung und durch das „Schlagen“ in windschwachen Regionen. Garantiert wird z.B. für Hydra Net (Dyneema Faser) 5 Jahre, bzw. 50.000sm (von DOYLE Sailmaker). Unsere Hauptsegel (HydraNet) halten auch, was hier versprochen wird. Schwachstelle ist eher der Faden, wo wir zweimal nach nähen mussten. Unser Genacker ist für Leichtwind genäht, er ist sehr dünn und wurde nicht für eine Weltumsegelung konzipiert. Er ist endlos geflickt, bringt aber viel Spaß und Stabilität bei relativ hoher Welle und gleichzeitig wenig Wind. Unser CodeZero ist aus Folienstoff, also anfällig gegen UV und „schlagen“. In allen Häfen werden die Sailmaker von den ARC Booten beschäftigt.
  • Rigg: Wenn möglich sollte es täglich gecheckt werden nach Bruchstellen und nach ca. 8 Jahren sollten normalerweise die Wanten neu werden. Bei den ARC Booten gab es einen Bruch einer Unterwante (vor Madagaskar bei viel Wind. Ersatz kam vom anderen Boot und wurde unterwegs repariert) Ansonsten wurde ein Vorstag ausgetauscht und ein anderes Boot hat generell neue Wanten bekommen.
  • „Rost, Gammel und Co“: Die Boote leiden unter dem hohen Salzgehalt und gleichzeitiger hohen Luftfeuchtigkeit. Es mag sich nach „Spießbürger“ anhören, aber noch nie haben wir soviel geputzt, wie hier auf unserem 13m Boot. Und ja, auch mit der Zahnbürste!!! Dadurch sieht das Boot sehr gepflegt aus. Vorteil ist zweifelsohne, dass wir unsere Umsegelung in relativ kurzer Zeit machen. Boote, die monatelang ohne Crew in der Südsee liegen, leiden ungleich mehr.
  • Rumpf / Deck: Je nach Alter und Technologie gibt es hier Schwachstellen. Bei Einigen – eher älteren – Booten ist die Verbindung zwischen Rumpf und Deck ein Problem, da nur verharzt (nur verklebt) und nicht laminiert. GARLIX ist laminiert, wir haben kein Problem. Ø  Fenster / Luken: Welches Boot hat dichte Luken? Aber ohne Lügen!! Wohl keins. Je nach Sprödigkeit der Gummis kommt mehr oder weniger Wasser durch. Wir haben alle Plastikscharniere ausgetauscht in Metall, da sich diese in der Wärme und dem dauerhaften weitem Öffnen verbogen hatten. Dadurch sind unsere Fenster aktuell dicht. Bei den fest eingebauten Fenstern besteht bei älteren Booten das Problem mit der zunehmenden Sprödigkeit des Sikaflex, womit sie eingesetzt wurden. Gab es auch bei den ARC Booten; wurden neu eingesetzt. Unterwegs und bei viel Wind ist das echt ein blödes Problem.
  • Unterwasserschiff: Sollte mal neue Farbe bekommen. Obwohl wir Deutschen diesbezüglich eine Macke haben, dass die Boote jedes Jahr aus dem Wasser gehen und neue Farbe bekommen. Wir haben die Macke beibehalten und waren mittlerweile dreimal aus dem Wasser. War auch neben der neuen Farbe für den Check des Bootes.
  • Rumpf: Sieht gut aus, richtig gut! Unsere GARLIX. Hängt wohl viel vom Material und dem Alter ab. Wir haben unser Boot noch nie poliert (vier Jahre alt). Die Boote sind stark verkalkt und müssen ab und an mit Essig bearbeitet werden.
  • Ruder und Welle: Auch hier gilt, die hohe Salzkonzentration ist Gift. Ein Beispiel von unserem Boot. Seit Vanuatu hatten wir ein Quietschen im Ruder. Macht sehr nervös! Unsere Lager sind sog. Walzenlager, es geht also alles sehr sehr leicht. Laut Auskunft von X-Yacht schmiert sich das untere Lager vom Wasser selbst. Aber wir sollten mal WD40 reingießen. Das hat geholfen, aber nur kurzzeitig. Es quietschte bis Kapstadt. Dort haben wir das obere und untere Lager gewechselt. Wahrscheinlich hätte im unteren Lager auch ein Liter Essig geholfen. Es war festgefressen vom Salz.
  • Generatoren (Diesel und Wasser), Gefrierschrank, Kühlschrank: stehen auf der Reparaturliste der ARC Boote weit oben. Ein Dieselgenerator hat bei einem Boot gebrannt (sehr gefährlich). Er wurde in Tahiti komplett erneuert. Unser Wassergenerator (Watt & Sea) hatte bisher keine Probleme, andere dagegen sehr häufig. Allerdings sind wir nur bedingt davon begeistert, er ist zu laut. Richtig fertig ist diese Technologie noch nicht.
  • Motor: Bei einem Boot wurde der Motor ausgetauscht (über 20 Jahre alt). Ansonsten gab es eher Probleme mit dreckigem Diesel, bzw. mit Bakterien. Wir haben einen Yanmar und konnten auf der ganzen Welt (wenn es nicht gerade auf den Marquesas oder auf Vanuatu ist), den Service machen lassen. Wir sind seit Deutschland ca. 470 Stunden motort. Damit liegen wir ganz sicher am untersten Level der ARC Boote. Der absolute Vorteil an unserem Boot ist, dass es mit wenig Wind sehr gut segelt. Allerdings haben wir mit 200l ein geringes Tankvolumen und denken zweimal nach, bevor wir den Motor starten.
  • Innenraum: Unser Innenraum hat leichte Gebrauchspuren. Wir leben hier seit knapp zwei Jahren. Insgesamt sieht es noch gut aus, vielleicht werden die Polster danach neu. Sind aus Leder, was für die Südsee nicht so gut ist.
  • Elektrik: siehe „Rost, Gammel und Co“. Alle Steckerverbindungen können das aufweisen. Fast alle Probleme haben ihre Ursache darin. Ich hab‘s schon oft geschrieben: Ohne den Handwerker an Bord würde ich dieses Abenteuer nicht machen! Ist schon dumm, wenn man in Tonga starten möchte und die Anzeigen sind schwarz. Dieses Problem hatten wir – und das in Tonga! Es war auch „nur“ dieses Problem. Eine vergammelte Steckerverbindung.
  • Raymarine und Co: Eindeutig, mit den schwersten Job hat der Autopilot. Dieser bekommt ein dickes Bienchen bei uns. Etwas enttäuscht sind wir von allen Geräten, die Außen sind. Vom UKW Gerät haben wir das Dritte und der große Plotter mag auch kein Wasser.

Fazit: Das gilt jetzt vornehmlich für die ARC Boote, die anderen können wir nicht einschätzen. Manche Boote kommen im besseren Zustand wieder, als sie gestartet sind. Häufig wurden Reparaturen „gleich mitgemacht“, weil es in den Ländern günstiger war. Nur einmal ist ein Boot erst zwei Wochen später gestartet, weil es ein technisches Problem (Motorersatzteil) hatte.

Unsere GARLIX: Jederzeit und sofort würden wir aus Qualitätsgründen wieder zur Weltumsegelung starten. Das Boot sieht sehr gepflegt aus und wir können keinen Mangel feststellen. Wenn wir zurück sind, werden wir manche Dinge erneuern (Spiegel, Hähne, Polster, Bimini, WC).

Der Blitzschlag: Wir haben den Eindruck, dass wir hier sehr viel Glück hatten. Dieser hat sich offensichtlich nur auf die Elektrik beschränkt. Die Geräte funktionieren wieder. Nach mittlerweile 4.400 gesegelten Meilen seitdem, können wir wohl behaupten, dass wir keine weiteren Schäden dadurch haben. Bloß gut!!! Der Schaden wurde durch unsere Pantenius – Vollkaskoversicherung vollständig bezahlt. Auch – bloß gut!!  So, das war der längste Blog bisher. Wieder Gratulation für alle, die es bis hierher geschafft haben. Wir sind 380 sm vor Salvador, sind also kurz vorm Ziel und werden am Sonntag ankommen. Wir melden uns von der Landerkundung und vom Karneval.

PS:  Ach und übrigens, uns geht es miteinander sehr, sehr gut!!! Der letzte Blog war mehr so ein Bericht „Live aus dem Bootsleben“. Man sollte den „Tag nicht vorm Abend loben“, aber wir erleben hier gerade mit unsere schönste Langsteckenüberfahrt überhaupt. Eure GarliXe