Durban – Kapstadt: rd. 850sm / nach Blitzeinschlag Richtung Kapstadt ohne elektrische Instrumente und alles per Hand gesteuert.

2.12.15 Hallo Ihr Alle, wir sind in Kapstadt – und sorry, wir haben uns lange nicht gemeldet. Wir hatten keine ganz einfache Zeit. Inzwischen schauen wir wieder etwas optimistischer in die Zukunft – doch wie ist es uns ergangen…

Wir haben den Indischen Ozean verlassen und sind wieder im Atlantik!! Bei 11° Wassertemperatur und gefühlten Minusgraden haben wir das Kap Agulhas und das Kap der Guten Hoffnung gerundet uns sind am Sonntag hier angekommen – welch’ eine andere Welt zu dieser Kälte dort draußen.

Wir sind etwas unsicher in Durban gestartet. Es ist kein Spaß ohne elektrische Instrumente durch die Nacht zu segeln und dabei alles per Hand zu steuern. Schon auf der Ostsee ist das nicht prickelnd, aber hier waren das schlappe 850sm von Durban nach Kapstadt. Und dann die Nächte nur mit solch kleinem magnetischen Kompass; will man sich doch nicht wirklich vorstellen. Aber dieses Problem hatten wir anders gelöst. Wir segelten immer hinter der Yacht TULASI hinterher. Eine wunderschöne elegante Amel 64 mit dem unglaublichen Luxus einer Mast- und Salingbeleuchtung. So segelten wir immer dem beleuchten Tannenbaum hinterher. Sie leitete und geleitete uns. Sie machte uns auch sichtbar für andere Schiffe. Andere Schiffe konnten uns nicht sehen. Wir haben kein AIS (das AIS sendet ein Signal an andere Schiffe mit unserem Kurs und unserer Geschwindigkeit). Auch auf dem Radar sind wir unsichtbar. Nach dem Blitz ist auch unser aktiver Radarreflektor nicht mehr funktionstüchtig. Wir haben zwar als Ersatz einen passiven Reflektor…solch ein kleiner Kegel an den Wanten. Aber das macht keinen Unterschied – wir bleiben ein Geisterschiff. Zwar segeln wir mit dem vorschriftsmäßigen Licht im Mast, aber das kann man sehr schlecht in der Nacht sehen.

Also sind wir gemeinsam mit TULASI und AYAMA in Durban gestartet. Erstmal Richtung Port Elisabeth – rund 420sm. Dort mussten wir ein Tiefdruckgebiet durchziehen lassen. Wir waren ganz froh – bald sind wir im Hafen und dann… schrieb uns ein freundlicher Blogleser eine aufmunternde Mail.

“Moin, Kopf hoch, die Summe aller Ereignisse im Leben ist konstant.“ Diese Mail erreichte uns genau in dem Moment, als auch noch der Motor 15sm vor Port Elisabeth aus ging. Man, man, da muss das nächste Jahr doch absolut langweilig werden. Aber bei diesem Problem waren wir selbst die Ursache. Manchmal hat man eben „Flöhe und Läuse“. Da wir zwei Tage durch motort sind; was für uns ein- und erstmalig war, hatten wir auf den letzten 20sm bei einer Tankanzeige über Viertel voll gedacht, dass wir im Hafen tanken werden. Entweder ist die Tankanzeige falsch, oder die Schräglage war zu heftig. Zumindest hatten wir eine Menge Luft im System. Unsere Begleitboote AYAMA und TULASI haben uns an der Hafeneinfahrt mit dem Schlauchboot abgeholt und da Stefan von AYAMA „goldene Hände“ hat, war das Problem nach 1 Stunde erledigt. Wir waren sehr erleichtert, dass wir wieder in Begleitung dieser Schiffe einen Tag später starten konnten. Allein würden wir unter diesen Bedingungen wahrscheinlich nicht um das Kap Agulhas (südlichster Punkt Südafrikas), bzw. dem Kap der Guten Hoffnung segeln.

Gleich nach dem Start in Port Elisabeth hatten sich AYAMA und TULASI ein Netz und dicke Leinen um den Kiel, bzw. um den Propeller gewickelt. AYAMA musste zurück, um sich den Schlamassel rauszuschneiden.

Nach diesem Schreck sind wir dann aber ohne weitere „Trolle“ im Boot weiter gesegelt. Der Wind war ziemlich heftig und am Kap hatten wir bis zu 37 Knoten Wind. Durch den ständigen Wind von hinten mussten wir wirklich die ganze Zeit höllisch am Steuer aufpassen. Und so standen wir jede Sekunde am Steuer… im gefühltem tiefen Winter. Ganz bestimmt konnte ich nicht mehr Sachen anziehen… Skiunterwäsche, Faserpelzanzug, zwei Pullover, dicker Segelanzug, Schal, Mütze, Handschuhe, Stiefel…mehr wäre „rollen“ gewesen. Wir waren dankbar und stolz, den südlichsten Punkt Südafrikas zu umrunden, den Atlantik zu erreichen und dann die relativ tristen Steine des Kap der Guten Hoffnung fotografieren zu dürfen. Sie wurden für uns wunderschön…

Jetzt sind wir seid drei Tagen hier im Hafen der V&A Waterfront – Marina und wir waren die meiste Zeit damit beschäftigt, das weitere Vorgehen zu organisieren. Inzwischen wissen wir, dass tatsächlich fast die gesamte Elektronik vom Blitz erwischt wurde. Plotter, 2 Autopiloten, das Radar, vier Anzeigegeräte, drei Bedienpaneele, die Elektrowinsch, der Kühlschrank, der Tiefenmesser, der Windmesser, AIS, GPS, das Bugstrahlruder, das Radio – aber die Heizung geht – das ist doch auch etwas. Übrigens war nach dem Blitz unsere UKW Antenne vom Mast verschwunden – wahrscheinlich ist der Blitz darüber eingeschlagen.

Wir denken, wenn man schon solch einen Schaden hat, dann ist Kapstadt ein guter Platz, um das reparieren zu lassen. Wir sind sehr sehr froh, dass wir gesund hier sind – der Blitz hätte auch noch andere Dinge anrichten können.

Heute dann eine ganz eigene Überraschung. Ein Arzt aus „meinem“ alten Krankenhaus hat uns mit seiner Frau hier besucht. Das Leben geht eben weiter…und es quatscht sich so gut bei solch’ einem Besuch aus der Heimat. Aber wir haben es nicht geschafft, alle Erlebnisse zu berichten – waren eben doch zuviel.

Nun ja, wir sind jetzt gespannt, wie es weitergeht – wir melden uns wieder.

Lasst es Euch gut gehen und lasst keine Blitze an Euch ran. Eure GarliXe