Tour: Sao Miguel / Azoren nach Cork / Irland, Seemeilen gesamt ca. 1.200, noch ca. 900sm

14.Juni 2016 Sollte es jemand geschafft haben, sich unseren Kurs anzuschauen, wird er sich über unsere eigenartige Richtung wundern. Wir haben gerade direkten Kurs nach Island.

In diesem Segelgebiet kann man scheinbar nur wählen zwischen (sehr selten) “schön bis geht so” – schlimm, schlimmer und am Schlimmsten. Wir haben mal wieder den Weg zwischen zwei Tiefdruckgebiete gewählt. Mit dem Wissen, dass es heute (Dienstag) bis Donnerstag früh unkuschelig wird, sind wir erstmal in die falsche Richtung gesegelt. Uns überholt gerade wieder ein Ausläufer eines Tiefdruckgebietes (geht so – bis schlimm), dessen nordwestliche Winde wir in den nächsten 24 Stunden bis zu 30 und mehr Knoten abbekommen werden. Nordwestliche Winde heißt Wind direkt von vorne, wenn man nach Irland möchte. Also sind wir weiter westlich gesegelt, um jetzt abfallen (vom Wind weg) zu können. Dieses Tiefdruckgebiet ist aber im Verhältnis mäßig. Danach kommt wieder ein kleines Hochdruckgebiet, was wir gerne vermeiden wollen. Oh, oh, es gab mal Zeiten, da dachte ich immer “Hoch ist gleich gut”. Aber dort ist kein Wind mit den hohen Wellen des aktuellen Tiefs. Also kann man das auch in die Kategorie “geht so bis eher schlimm” einordnen. Möglichst möchten wir uns gerne an die Rückseite des aktuellen Tiefs dranhängen und damit bis Irland kommen. Wir werden das nicht ganz schaffen, aber hoffentlich doch vor dem nächsten Tief ankommen, welches sich aktuell über den USA aufbaut. Dieses sieht mit einem sehr niedrigem Druck im Zentrum wesentlich schlimmer aus – also ab in den Hafen.
Aktuell sind sich amerikanische und deutsche Wetterdaten einig, was sehr beruhigt.
Zum ersten Mal seid langer Zeit segeln wir wieder allein über den Atlantik. Keine ARC Boote um uns. Aber die Segler finden sich auch, wenn man scheinbar allein auf dem Nordatlantik segelt. Gestern sind wir an eine niederländische Yacht vorbeigesegelt, mit der wir jetzt eine eigene Funkrunde verabredet haben. Wie gehts Dir, wie gehts mir, wie ist das Wetter. Wir haben alle das gleiche Ziel. Irgendwie Richtung Nordeuropa. Dabei hätten wir es alle gerne gemütlicher, aber das Azorenhoch hat sich bisher nicht aufgebaut, so das das Wetter ein wenig verrückt spielt. Die Fronten geben sich den Staffelstab in die Hand.
Aber bisher ist alles gut erträglich. Aktuell pfeifen wir mit 7,5 – bis 8kn durch die sternenklare Nacht. Viel besser als die letzte Nacht bei Nebel. Toi, toi, toi haben wir aus unserer Sicht bisher kein “schlimmste” oder “am Schlimmsten” erlebt. Bisher stimmte im Großen und Ganzen der Wetterbericht und wir konnten vor schlechterem Wetter davon segeln (Danke GARLIX). Es ist auch einfacher zu wissen, dass es mieser wird, als davon überrascht zu werden. Auch kennt man meistens das Ende vom vielen Wind, was die Sache wesentlich erträglicher gestaltet. Also, drückt uns noch einmal die Daumen, dass das auch so bleibt. Wir sind im Endspurt. Bis bald – Eure GarliXe